Th, 07.05.2026 19:30
217. Freiberger Kolloquium: 35 Jahre Wiedergründung des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg
Veranstaltungsort:
Universitätsbibliothek, TU Bergakademie Freiberg, EG - Großer Hörsaal
Winklerstraße 3, 09599 Freiberg
Eintritt frei.
Referent
Prof. Dr. Bernhard Cramer (OBA)
35 Jahre Wiedergründung des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg
Die Bergverwaltung ist in Freiberg mit einem Bergmeister seit 1241 urkundlich belegt. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts als Oberbergamt, war die Bergverwaltung damit über Jahrhunderte fest in Freiberg als selbstständige Fach- und Vollzugsbehörde verwurzelt. Aus Ihrem Wirken erwuchsen viele wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und infrastrukturelle Errungenschaften, die bis heute Stadt, Region und Sachsen insgesamt prägen. Beispielhaft sei die TU Bergakademie Freiberg erwähnt, die auf Initiative des Oberbergamtes gegründet wurde.
Vor 80 Jahren, am 20. November 1946, löste der Chef der Sowjetischen Militäradministration mit Befehl Nr. 323 die Bergbehörde in Freiberg auf. Ihre Aufgaben wurden in Folge in eine zentrale, oberste Behörde in Leipzig überführt. Wesentliches Ziel dieser historischen Behördenauflösung war es, eine gefügige Institution für die Beratung der Sowjetischen Militäradministration zu schaffen und kader- und personalpolitische Vorstellungen zentral durchzusetzen (Niedbalski, 1985). Die früh gegründete, eigenständige Bergverwaltung in Freiberg wurde so durch Gleichschaltung in eine sozialistische Einheitsverwaltung geopfert.
45 Jahre später gründete die Sächsische Staatsregierung das Oberbergamt am 15. Dezember 1991 an seinem historischen Standort in der Kirchgasse in Freiberg neu. Damit verbunden war auch ein klares Bekenntnis des Freistaates zu seiner bergbaulichen und bergbehördlichen Vergangenheit. Insbesondere begegnete die Staatsregierung so aber den anstehenden Herausforderungen für den Bergbau und für die Rohstoffwirtschaft mit einer eigenständigen und leistungsfähigen Bergverwaltung.
In diesem Jahr blicken wir auf 35 Jahre erfolgreiches Wirken des wieder in Freiberg etablierten Oberbergamtes zurück. Mit mehr als 400 Bergbaubetrieben unter Bergaufsicht, mit der erfolgreichen Sanierung der epochalen, bergbaulichen Hinterlassenschaften des DDR-Bergbaus, damals im Übrigen behördlich angeleitet durch die zentralistische Einheitsverwaltung, mit der Umsetzung des Braunkohleausstiegs, mit der behördlichen Begleitung mehrerer Strukturbrüche im Steine- und Erdenbergbau, mit den Anforderungen an strategischen Bergbau in der EU auf kritische Metallrohstoffe und mit der Gefahrenabwehr aus den Hinterlassenschaften des alten Bergbaus hat das Oberbergamt seit der Wiedervereinigung wesentliche Entwicklungen im Freistaat mit gestaltet. Heute ist das Sächsische Oberbergamt in Freiberg als agile, hoch effektive Fach- und Vollzugsverwaltung bundes- und europaweit bekannt und mit seinem Sachverstand gefragt. Wirtschaft und Verbände schätzen die Behörde als konstruktiven, entscheidungsstarken Verwaltungspartner. Das Oberbergamt kann im bundesdeutschen Vergleich zu den effizientesten und digital am stärksten entwickelten Vollzugsbehörden gezählt werden.