Die Sammlung Dr. Erika Pohl-Ströher

Ihre Mineraliensammlung trug Dr. Erika Pohl-Ströher über eine Zeitspanne von mehr als 60 Jahren zusammen. Sie ist nach regionalen Gesichtspunkten geordnet. Obwohl Frau Pohl-Ströher nicht an die mögliche Einrichtung einer öffentlichen Ausstellung dachte und sie nie das Ziel verfolgte, alle nur möglichen Fundstellen der Welt mit hervorragenden Stufen zu belegen, ist es ihr erstaunlicherweise erfolgreich gelungen, eine umfassende Sammlung mit wunderschönen Mineralien von allen Kontinenten aufzubauen. Ihr besonderes Interesse galt nicht unbedingt der Stufengröße, sondern eher der Formen- und Farbenvielfalt der Kristalle. Dabei legte sie großes Augenmerk auf Qualität und ästhetische Ausbildung, sodass ihre Sammlung einen enormen Schauwert besitzt.

Die Sammlung wuchs vor allem während einer Zeit, als es den verantwortlichen Betreuern der Freiberger Mineralogischen Sammlung nur beschränkt möglich war, internationale Spitzenstücke zu erwerben. Zu DDR-Zeiten gab es weder die Reisemöglichkeiten, um an bedeutenden Mineralienverkaufsmessen teilzunehmen, noch die entsprechenden finanziellen Bedingungen, um an derart erstklassiges Material heranzukommen. Durch den Aufbau eines internationalen Tauschringes konnte in Freiberg zwar die Systematiksammlung komplettiert werden, aber solche ästhetische Spitzenqualitäten, wie sie Frau Dr. Pohl besitzt, waren nur schwer zu bekommen. Ganz besonders auch dadurch stellt ihre private Kollektion eine hervorragende Ergänzung und Erweiterung der bereits bestehenden wissenschaftlich wertvollen Geowissenschaftlichen Sammlungen der Freiberger Alma Mater dar. Die Stiftung ist zudem eine einmalige Gelegenheit, derartig erstklassiges Material zu erhalten, denn das Budget der Universität für Neueinkäufe ist auch heute noch sehr beschränkt.

Bei einem großen Teil der Mineralstufen der Sammlung Pohl-Ströher handelt es sich um Kabinettstücke von hoher Qualität. Der Betrachter wird durch die Farben- und Formenvielfalt erstklassig ausgebildeter Kristalle optisch förmlich überwältigt. Die Prunkstücke, die den Besucher erwarten, stammen aus der ganzen Welt und sind für Laien und Sammler gleichermaßen ein Augenschmaus. Dabei handelt es sich sowohl um Mineralstufen von historischen als auch von aktuellen Fundstellen.

Wertvolle Stiftungssammlung aus sechs Jahrzehnten

Alle Ausstellungsstücke der terra mineralia stammen aus der "Pohl-Ströher Mineralienstiftung". Die Schweizerin Dr. Erika Pohl-Ströher überließ im Jahr 2004 ihre einzigartige Sammlung der TU Bergakademie Freiberg als Dauerleihgabe. Damit erhielt die Freiberger Universität eine der bedeutendsten und wertvollsten privaten Mineralsammlungen der Welt.  

In der terra mineralia sind die edlen Stücke seit Oktober 2008 dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich.

Stifterin Dr. Erika Pohl-Ströher

Erika Ströher wurde am 18. Januar 1919 geboren. Sie wuchs in dem kleinen sächsischen Ort Rothenkirchen im Vogtland auf. Von großer Bedeutung für ihren Lebensweg ist die Tatsache, dass ihr Großvater, Franz Ströher, 1880 die später sehr erfolgreiche Kosmetikfirma „Wella" gründete.

Angeregt durch Funde schöner und interessanter Steine, die sie in ihrer Kindheit bei Urlaubsaufenthalten in Bad Gastein gemacht hatte, begann sie frühzeitig, Mineralien zu sammeln. Sie wählte aber – wie viele erfolgreiche und engagierte Sammler - nicht die Mineralogie als Ausbildungsberuf. Erika Ströher studierte ab 1944 in Jena Chemie und Biologie und promovierte später im Fach Biologie.

In ihrer Sammlerleidenschaft ist sie nicht bei einem Gebiet oder einer Mineralgruppe geblieben. Nach dem Erzgebirge und dem alpinen Raum wandte sie sich mineralogisch anderen Regionen Deutschlands, Europas und der Welt zu. So zählen zum Beispiel das Siegerland, Wölsendorf, der Schwarzwald, Rumänien, Russland, Marokko, Namibia, Australien, die USA und in jüngerer Zeit vor allem China, Pakistan und Afghanistan dazu. Ihre Sammlung hat sie neben lagerstättenkundlichen vor allem nach ästhetischen Gesichtspunkten und Aspekten zusammengestellt. Nach einer über 60 Jahre umfassenden Sammeltätigkeit konnte Frau Dr. Pohl-Ströher die regionalen Einheiten vervollständigen. Mit den Jahren baute sie ein System von Tauschpartnern und Händlern aus der ganzen Welt auf, das sie stets mit aktuellen Informationen zum Angebot an Mineralien versorgte. So erhielt sie die Möglichkeit, neue und vor allem auch attraktive Mineralienstufen für ihre Sammlung zu gewinnen. Erstaunlich ist, dass es ihr ebenso gelungen ist, über schier unüberwindliche Grenzen und die Mauer hinweg die Kontakte in ihre alte Heimat aufrecht zu erhalten, Wege und Verbindungen zu nutzen, um Neufunde oder Material aus alten sächsischen Privatsammlungen zu erwerben.

Auch nach Einrichtung der Pohl-Ströher Stiftung als Dauerleihgabe an der TU Bergakademie Freiberg führt Frau Dr. Pohl-Ströher ihre Bemühungen um die Komplettierung ihrer Kollektion intensiv weiter. Motivation für sie ist unter anderem die Tatsache, dass Teile ihrer Sammlung in Freiberg nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind. Neben der außerordentlichen Publikumswirksamkeit besitzt die Stiftungssammlung ein hohes wissenschaftliches Potenzial für die Lehre, vor allem für die Ausbildung in spezieller Mineralogie, Kristallographie und Lagerstättenkunde. Vergleichbares gilt auch für die mineralogische Forschung.

Achat, St. Egidien, Sachsen, Deutschland, Bildbreite: 3,2 cm, Foto: Jörg Wittig, Dresden.