Vergangene Vorträge 2018

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 25. Januar 2018, 19:30 Uhr

Das Leben im ewigen Eis – Erfahrungsbericht einer Überwinterung

Dr. Sissy Kütter, Geophysikerin, Gotha
160. Freiberger Kolloquium, Ort: Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Jedes Jahr aufs Neue begeben sich neun Techniker und Wissenschaftler kurz vor Weihnachten auf den Weg zur Neumayer-Station III in der Antarktis, um dort ihre Vorgänger abzulösen und für einen weiteren Winter die Station zu betreuen. Im antarktischen Sommer von Ende November bis Mitte Februar gleicht die Neumayer-Station, die dann ca. 50 Wissenschaftler und Techniker beherbergt, einem geschäftigen Bienenstock, der Ausgangspunkt für zahlreiche Projekte ist. Wenn dann bis Ende Februar die letzten Flugzeuge ihren Weg in den warmen Norden antreten, wird es ruhiger, aber bei weitem nicht weniger spannend. Es beginnt dann die Zeit der Stürme, die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken von sommerlichen -5 auf bis zu -50°C und rund um das mehrere hundert Meter dicke Schelfeis beginnt sich das Meereis auszubreiten. Die Polarnacht, bei der an NM III die Sonne für mehr als 50 Tage nicht mehr über den Horizont steigt, ist dann auch die Zeit der sternenklaren Nächte, der Polarlichter und die Brutzeit der Kaiserpinguine. In dieser beeindruckenden Kulisse zu arbeiten und zu leben ist ein einmaliges Erlebnis, über das der Vortrag berichten möchte.

Donnerstag, 1. März 2018, 19:30 Uhr

Ein 291 Millionen Jahre alter Boden: Lebensraum und Klimaarchiv
der Fossillagerstätte Chemnitz

Prof. Dr. Ronny Rößler, Museum für Naturkunde, Chemnitz
161. Freiberger Kolloquium, Ort: Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Der versteinerte Wald von Chemnitz wird auch als „Pompeji des Perms“ bezeichnet. Vor 291 Millionen Jahren fand hier ein überaus explosiver Vulkanausbruch statt. Unter der Glut-Aschewolke ist nicht nur eine spektakuläre Fossillagerstätte erhalten, sondern ein gesamtes Ökosystem aus Pflanzen und Tieren und deren Interaktionen wurde an Ort und Stelle konserviert. Spektakuläre Funde berichten über Leben und Sterben einer tropischen Oase, über die zerstörende Kraft und konservierende Wirkung des Vulkanismus. Ein Paläoboden des vorzeitlichen Wald-Ökosystems bildet eine Schlüsselrolle bei der Analyse und Erforschung der Fossillagerstätte. In einer Höhle wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche im Baumwurzelgeflecht wurden sogar Abdrücke von Skorpionen gefunden. In einem Fall ein männliches und ein weibliches Exemplar in enger räumlicher Beziehung. Die Krönung der Indiskretion hierzu zeigt der Vortrag.

Der Referent ist Direktor des Museums für Naturkunde in Chemnitz, Herr Prof. Dr. rer. nat. Ronny Rößler. Prof. Rößler ist Gastprofessor für Paläobotanik an der TU Bergakademie Freiberg.

Rekonstruktion des Lebensraumes mit einem urzeitlichen Skorpion © Dr. Frederik Spindler, Freiberg

Donnerstag, 22. März 2018, 19:30 Uhr

Präkänozoische Mineralisationsanzeichen im Raum Bitterfeld-Delitzsch
und ihre Beziehung zu magmatischen Aktivitäten

Dr. Bodo-Carlo Ehling, Leiter der Abteilung Geologischer Dienst Sachsen-Anhalt
162. Freiberger Kolloquium, Ort: Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

An der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt befindet sich im Nordwesten von Sachsen unter rund 100 m mächtigen Lockergesteinen wie Ton, Sand und Braunkohle eine der geologisch spektakulärsten Regionen Mitteleuropas. Eine Vielzahl von Störungen mit mehreren hundert Metern vertikalem Versatz erschwert das Verständnis dieser nur aus Bohrungen bekannten Region. An die sich nach Süden fortsetzende tektonische Großstruktur sind auch die heute noch aktiven Erdbeben im Vogtland gebunden. In verschiedenen Epochen der Erdgeschichte kam es hier zu tektonischen und magmatischen Aktivitäten, die zur Bildungen unterschiedlichster Mineralisationsanzeichen führten. Besondere Bedeutung besitzt der geologisch jüngste Magmatismus. Hier kam es vor rund 70 Millionen Jahren zu einer sehr seltenen Art von intensivem Vulkanismus. Das Gestein besteht aus Karbonat, nicht wie üblich aus Silikat. Weltweit und so auch hier kommt in diesem als Karbonatit bezeichnetem Gestein zur Anreicherung von Seltenen Erden Elementen. Geologie endet nicht an Landesgrenzen, deshalb hat das Landesamt in Sachsen Anhalt und Sachsen in einem Forschungsvorhaben diese Region in den Fokus verschiedener Aktivitäten gerückt. Der Vortrag von Dr. Bodo-Carlo Ehling wird auf das große Potential der Delitzscher Lagerstättenregion aufmerksam machen.

Die Bohrung SES 1/2012, Storkwitz durchbohrte den Seltene Erden führenden Karbonatitbrekzienkörper.

Donnerstag, 26. April 2018, 19:30 Uhr

Das Elektro-Impuls-Verfahren – Entwicklungsreise eines neuen Bohrsystems

Dipl.-Ing. (FH) Franziska Lehmann (TU BAF), Dipl.-Ing. Erik Anders (TU Dresden)
163. Freiberger Kolloquium, Ort: Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Wer von Mitte August bis Mitte Oktober vergangenen Jahres über den Campus der TU Bergakademie Freiberg gelaufen ist, konnte im Bereich der Gustav-Zeuner-Straße einen etwa 12 m hohen Bohrturm entdecken. Doch was hatte es damit auf sich? Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten Projektes wird in einer Kooperation zwischen dem Institut für Bohrtechnik und Fluidbergbau (TU Bergakademie Freiberg), dem Institut für Fluidtechnik (TU Dresden), dem Institut für Hochspannungstechnik (TU Dresden) sowie Partnern aus der Industrie ein neues Bohrverfahren zur Hartgesteinszerstörung entwickelt. Diese neue Technik beruht dabei auf der Nutzung des sogenannten Elektro-Impuls-Verfahrens (EIV). Innerhalb einer Sekunde werden etwa 25 Blitze mit einer Spannung von 500.000 Volt erzeugt und „sprengen“ das Gestein an der Bohrlochsohle. Da dieses Verfahren im Gegensatz zu konventionellen Bohrmethoden berührungsfrei und ohne bewegliche Teile im Bereich des Bohrkopfes arbeitet, entfällt der ständige teure Aus- und Wiedereinbau des größtenteils mehrere Kilometer langen Bohrgestänges zum Auswechseln stumpfer Meißel.

Bereits die Tatsache der um ein vielfaches reduzierten Bohrkosten bietet der Anwendung des neuen Verfahrens im Bereich der Tiefengeothermie ein enormes Potential. Denn bisher verhinderte dieser hohe Kostenpunkt den breiten Durchbruch auf dem Energiemarkt. Mit dem neuen Bohrverfahren sollen die Kosten für tiefe Geothermalbohrungen im Hartgestein, wie es beispielsweise im sächsischenen Erzgebirge vorliegt, so weit gesenkt werden, dass die Nutzung von Erdwärme zur umweltfreundlichen Erzeugung von Wärme und Strom wirtschaftlich wird. Dies kann einen großen Schritt innerhalb der Energiewende bedeuten.

Mit der Probebohrung im Herbst letzten Jahres erreichten die 10-jährigen Forschungsarbeiten vorerst ihren Höhepunkt. Erfahren Sie im Vortrag mehr über die Entwicklungsgeschichte dieses innovativen Bohrverfahrens und verfolgen Sie den Weg einer Idee von einer Machbarkeitsstudie im Labor über die Entwicklung eines neuen Bohrkopfes bishin zur in-situ Erprobung des EIV-Bohrsystems innerhalb der Probebohrung auf dem Campus der TU Bergakademie Freiberg.

„… denn man sah nichts als Elend …“ –
der Schachtbruch auf der „Neuen Fundgrube“ in Lugau 1867:
Ursachen und Wirkungen einer der schwersten deutschen Grubenkatastrophen.

Donnerstag, 31. Mai 2018, 19:30 Uhr

Heino Neuber, Bergbaumuseum Oelsnitz
164. Freiberger Kolloquium, Ort: Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

„Der erste Juli 1867 versprach ein schöner Tag zu werden. Am wolkenlosen Himmel war die Sonne heraufgestiegen, in ihrem goldenen Scheine funkelten die Tauperlen der Wiesen, wogten die Saatfelder. Bald wurde es in den Fluren lebendig, denn von allen Seiten kamen die Bergleute im Revier zur Schicht. Wollte der Schöpfer denen, die zum letzten Male anfahren sollten, die Natur noch einmal im vollsten Glanze zeigen?“

Für 101 Bergmänner der „Neuen Fundgrube“ des Zwickau-Lugauer Steinkohlenbauvereins bedeutete die Stätte ihrer schweren und gefahrvollen Arbeit an diesem Tag eine tödliche Falle. Ein Schachtbruch verschloss den einzigen Tagesausgang der Grube im westsächsischen Lugau. Rettungsversuche blieben erfolglos. 45 Frauen mit 137 Kindern verloren den Mann, den Vater – den Ernährer.

Diese Grubenkatastrophe, die zu den schwersten in Deutschland zählt, besaß eine bis dahin unbekannte Dimension im Hinblick auf die Gefahrenpotentiale des Kohlenbergbaues und des daraus erwachsenden menschlichen Leides. In kürzester Zeit erlangte das im Entstehen begriffene Lugau-Oelsnitzer Revier nationale Aufmerksamkeit. Der im Zuge der Industrialisierung aufstrebende Steinkohlenbergbau Sachsens wurde zu einem Brennpunkt juristischer, politischer und wirtschaftlicher, ebenso kollektiver und sozialer Fragestellungen.

Die unter Verwendung vielfältigen, gerade in den Beständen des Bergarchivs Freiberg überlieferten, Quellenmaterials entstandene Dokumentation verdeutlicht zugleich, welche Bedeutung ihm innerhalb des Montanwesens überhaupt sowie unmittelbar in Bezug auf Fragen der Arbeitssicherheit, des Arbeitsschutzes und der rechtlichen Absicherung der Arbeiter zukommt.

Ausgehend von einer Momentaufnahme der Geschehnisse des Sommers 1867 zeichnet der Vortrag zwischen Einzelschicksal und Massenbewegung jene Entwicklungen nach, die einen wesentlichen Schritt bei der Wandlung der Arbeits- und Lebensverhältnisse auf dem Weg zur modernen Industriegesellschaft darstellten.