Vergangene Vorträge 2017

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 26. Januar 2017, 19:30 Uhr

„Skarne, Greisen, Pegmatite: Forschung zur Aufbereitung
komplexer Erze am Beispiel des EU-Projektes FAME“

Dr. Wolfgang Reimer, Geokompetenzzentrum Freiberg e.V.
151. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Zum Auftakt der Kolloquiumsreihe im neuen Jahr richtet sich der Blick, ausgehend von Sachsen, in die europäische Welt hinaus: Wo liegen Hürden in der Entwicklung unserer Erzlagerstätten in Sachsen? Wie sieht es in anderen Ländern Europas aus? Was nützt uns die Europäische Union, und wie findet Verbundforschung im internationalen Umfeld statt?

Dr. Wolfgang Reimer, Geschäftsführer des Freiberger Geokompetenzzentrum, gibt hierzu am Beispiel des EU Forschungs-projektes "FAME - Flexible And Modular Economic processing technologies" einen Überblick. Zusammen mit den Zuhörern geht er auf eine Reise durch acht europäische Bergbauländer und erörtert die Zusammenhänge von umweltgerechtem Bergbau, lokaler Akzeptanz und technologischer Entwicklungen, aber auch unternehmerischen Engagements. Es werden die Entstehung und Notwendigkeit von Entwicklung und Innovation in der Rohstoffwirtschaft erklärt, als Antwort auf die gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Herausforderungen, heute Bergbau zu betreiben.

Eintritt frei.

Donnerstag, 16. Februar 2017, 19:30 Uhr

„Perspektiven der Sammlungen an der TU Bergakademie Freiberg“

Dr. Andreas Benz, TU Bergakademie Freiberg
152. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Noch bis 19. Februar ist die Ausstellung „Perspektiven der Bergbausammlung“ im Vortragssaal der terra mineralia zu sehen, die Studierende des Instituts für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte (IWTG) gemeinsam mit der Kustodie konzipiert haben.

Ausgehend vom Ausstellungstitel stellt Dr. Andreas Benz, seit April 2016 Leiter der Kustodie der TU Bergakademie Freiberg, die vielfältigen Sammlungen der Bergakademie aus der Sicht eines Neu-Freibergers vor. Im Mittelpunkt des einführenden historischen Abrisses steht der Bedeutungswandel der zum Teil mehr als 250 Jahre alten Bestände. Zugleich werden Kontinuitäten hervorgehoben. Hieran anknüpfend erhält man Einblicke in die heutige Arbeit der Kustodie, wobei auch die Frage zukünftiger Nutzungsmöglichkeiten erörtert wird. Welche Relevanz haben universitäre Sammlungen im 21. Jahrhundert im Allgemeinen? Und welche spezifischen Perspektiven bieten sich für die Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg?

Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 23. März 2017, 19:30 Uhr

„Der Geologische Dienst Sachsen als „Schatzsucher“ für Infrastrukturplanungen“

Dipl.- Ing. Sabine Kulikov, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
153. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6  

Wozu braucht Sachsen einen Staatlichen Geologischen Dienst? Was haben Geologen mit Infrastrukturplanung zu tun? Können Geologen überhaupt Schätze heben, die keine Erze, Edelmetalle oder Edelsteine sind? Eine Antwort auf diese Fragen und einen Einblick in die tagtägliche "Schatzsuche", „Schatzpflege“ und „Schatzsammlung“ der Abteilung Geologie des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie soll dieser Vortrag vermitteln. Dabei werden anhand einiger konkreter bereits umgesetzter bzw. in Planung befindlicher Infrastrukturvorhaben wie Verkehrs-baumaßnahmen, Hochwasserrückhaltebecken, Versorgungsleitungen oder Deponien die Ergebnisse dieser "Schatzsuche" konkret unter die Lupe genommen und im Detail erfahrbar und nachvollziehbar gemacht. Und sicher wird mit diesen Beispielen auch etwas ganz Unerwartetes deutlich werden - Geowissenschaftler sind heutzutage keine Einzelkämpfer mehr, sondern "Netzwerker". Und das im mehrfachen Sinn. Lassen Sie sich überraschen.

Donnerstag, 20. April 2017, 19:30 Uhr

„Seltene Erden und ein Mordfall in der terra mineralia“

Laura Charlene Hall B.Sc., M.A., terra mineralia
Kuratorin der Sonderausstellung „CSI Freiberg. Ein Mordfall in der terra mineralia
154. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Die Metalle der Seltenen Erden – 17 Elemente, die unsere Mobiltelefone kleiner, unsere Computer schneller und unsere Energie grüner machen, – sind eines der wichtigsten Themen in der Hochtechnologieforschung. Leider kommen sie selten in schönen Kristallformationen oder in leicht abbaubaren Ablagerungen vor. Obwohl die Seltenen Erden überall auf der Erde vorkommen, ist China seit rund 30 Jahren der größte Begbautreibende und Produzent von Seltenerdmetallen in der Welt. Chinas Dominanz auf dem Markt für Seltene Erden hat zu einem Fehlen dieser Industrie in der übrigen Welt geführt.

Mit der Ausstellung „CSI Freiberg. Ein Mordfall in der terra mineralia“, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, präsentieren wir die Metalle der Seltenen Erden in einer spielerischen, interaktiven Art und Weise. Durch den Mord an einer fiktiven Professorin, Kathrin Berg, die selbst eine Expertin für die Seltenerdmetalle war, werden den Besuchern die Aspekte der Produktion der Seltenen Erden, einschließlich des Bergbaus, der Vorbereitung, Umweltfragen, politischer Bedenken und der Art und Weise, wie wir sie in allen Bereichen unseres modernen Lebens nutzen, nahegebracht.

Laura C. Hall, die sowohl in allen Bereichen des Bergbaus als auch für mehrere Museen in den USA gearbeitet hat, wird die Entstehung, den Hintergrund und den Aufbau von „CSI Freiberg. Ein Mordfall in der terra mineralia“ in der Ausstellung terra mineralia vorstellen.

Donnerstag, 18. Mai 2017, 19:30 Uhr

„Rohstofferkundung aus der Luft im Erzgebirge“

Dr. Richard Gloaguen, Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie
155. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Dr. Richard Gloaguen vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie berichtet am 18. Mai beim 155. Freiberger Kolloquium im Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg (Akademiestraße 6) über neue und effiziente Technologien für die Exploration mineralischer und metallhaltiger Rohstoffe in Sachsen.

In Deutschland, aber auch Weltweit stellen sich immer mehr Herausforderungen, um neue Rohstoffvorkommen zu erschließen. Der sinkende Metallgehalt der heutigen Roherze erschwert deren Erschließung zusätzlich. Um die Rohstoffbasis zu sichern müssen die verborgenen Potenziale bestimmt werden. Als Leiter der Abteilung Erkundungstechnologien ist Dr. Gloaguen überzeugt, dass eine umweltschonend, akzeptabel und ethische Exploration möglich und notwendig ist.

Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF), das zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf gehört, arbeitet deshalb an neuen Methoden der Rohstofferkundung. Die HIF-Forscher können dank moderner Technologien die Zusammensetzung von oberflächennahen Rohstoffen und Lagerstätten genau bestimmen. Dafür nutzen sie die spektralen Eigenschaften von Mineralen im Infrarot-Bereich. Diese werden durch spezielle Kameras aus unterschiedlichen Entfernungen gewonnen. Die Daten erhalten die Wissenschaftler von Flugzeugen und Satelliten, aber auch von eigenen Forschungsdrohnen. Dr. Gloaguen und sein Team gehören zu den wenigen Gruppen weltweit, die an der sog. drohnen-gestützten Hyperspektralanalyse für die Rohstofferkundung forschen. Mit den neuen Technologien lassen sich künftig schnell, präzise und schonend dreidimensionale mineralogische Karten erstellen.

Donnerstag, 29. Juni 2017, 19:30 Uhr

„Die Geowissenschaftlichen Sammlungen von Abraham Gottlob Werner“

Prof. Dr. Gerhard Heide, Univ.-Prof. für Allgemeine und Angewandte Mineralogie, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen und Wissenschaftlicher Direktor der terra mineralia, TU Bergakademie Freiberg

156. Freiberger Kolloquium, Senatssaal TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Der Mineraloge Abraham Gottlob Werner (1749–1817) nach einem Porträt von Christian Leberecht Vogel. Quelle: wikipedia. 

Als im Jahr 1814 Werners neun Geowissenschaftliche Sammlungen taxiert wurden, belief sich der Wert auf 55.864 Taler und 8 Groschen. Verglichen mit dem spektakulären Schatzfund vom April letzten Jahres in der Sächsischen Schweiz von ca. 300 Talern, stellen Werners Sammlungen ein unvergleichbar großen Wert dar. Welcher Wert und welche Bedeutung haben diese Sammlungen heute? Welche Verantwortung tragen wir gegenüber materiellem Kulturgut? Wie können wir dieser im Zeitalter der Digitalisierung gerecht werden? Zweifelslos lassen sich diese Fragen nur beantworten, wenn man aus heutiger Sicht die Objekte, die Sammlungen und ihre Geschichte analysiert und neu bewertet. Es überrascht dabei, dass bei den vielen hundert Veröffentlichungen über Werner sich nur eine Handvoll mit den Objekten der Sammlungen und den Sammlungen selbst beschäftigt haben. Das abgeschlossene DFG-Projekt brachte hier eine Vielzahl von neuen Erkenntnissen.

Donnerstag, 28. September 2017, 19:30 Uhr

„Sächsische Rohstoffdaten - Schätze für Wirtschaft und Wissenschaft: Ergebnisse des Projektes ROHSA 3“

Dipl.-Geol. Katrin Kleeberg, (SOBA, LfULG)
157. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Sachsen ist reich an Bodenschätzen. Vor allem der Bergbau auf edle Metalle begründete in den vergangenen Jahrhunderten den Wohlstand des Landes. Über Generationen gesammelte Erfahrungen, umfangreiches Wissen und vielseitige Forschungen zu Rohstoffen und deren Gewinnung finden sich in zahllosen Dokumentationen und Karten, Datensammlungen und wissenschaftlichen Arbeiten. Und diese Informationen sind gefragt. Mit dem „Neuen Berggeschrey“ stieg das Interesse weltweit tätiger Bergbauunternehmen an Daten und Informationen zu sächsischen Erzen und Spaten sprunghaft an. Dies war der entscheidende Anstoß, das Projekt ROHSA 3 (Rohstoffdaten Sachsens) ins Leben zu rufen. Aber wo „schlummern“ die gesuchten Informationen und wie werden sie zugänglich gemacht? Sind die „alten“ Berichte, Bohrungen und Analysendaten tatsächlich so wertvoll? Anhand der Projektergebnisse wird gezeigt, dass Sächsische Rohstoffdaten wirkliche Schätze sind, die darauf warten, gehoben zu werden.

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19:30 Uhr

„Arno Hermann Müller und die Paläontologie in der DDR“

Prof. Dr. J.W. Schneider, Dr. H. Walter, Freiberg
158. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Im letzten Jahr jährte sich der Geburtstag des international bekannten Paläontologen Arno Herrmann Müller zum 100. Mal. Sein dreibändiges und aus sieben Teilen bestehendes „Lehrbuch der Paläozoologie“ diente ein halbes Jahrhundert der Ausbildung von Paläontologen in ganz Europa. Die von ihm begründete Schule und seine Absolventen sind in der Freiberger Tradition „Theorie und Praxis“ weltweit tätig. Der Vortrag seiner Schüler Jörg W. Schneider und Harald Walter ist Würdigung des Wirkens von A.H. Müller und Ausblick zugleich.

Die beiden Referenten, Dr. Walter und Prof. Schneider, im Gelände, 1991.

Donnerstag, 30. November 2017, 19:30 Uhr

„Sächsische Marmore und Kalksteine als Dekorationsgesteine“

Prof. Dr. Heiner Siedel, TU Dresden
159. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein

Marmore stellen als häufig verwendete Dekorationsgesteine beim Bauen die vielleicht edelsten Natursteinmaterialien dar. Unter dem Gesteinsbegriff „Marmor“ versteht die Baupraxis neben echten karbonatischen Umwand-lungsgesteinen (Metamorphiten) auch polierfähige, meist farbige und fossilhaltige sedimentäre Kalksteine. Solche Gesteine gewannen die Bewohner auf sächsischem Gebiet bereits frühzeitig zur Herstellung von Branntkalk. Nutzer der Gesteine für Dekorationszwecke gab es bis zum letzten Viertel des 16. Jahrhunderts aber kaum. Den entscheidenden Aufschwung erfuhr diese Verwendungsart erst mit der durch Giovanni Maria Nosseni seit 1575 gezielt betriebenen Erkundung einheimischer Vorkommen und mit den durch ihn in Sachsen etablierten Bearbeitungstechniken des Schneidens, Schleifens und Polierens. Bis ins 19. Jahrhundert nutzten die Kunsthandwerktreibenden danach die Techniken immer wieder zur Dekoration sächsischer Sakral- und Profanbauten, aber auch über die Landesgrenzen hinaus.

Der Vortrag gibt einen Überblick über die genutzten Gesteinsarten und -vorkommen sowie die historische Entwicklung ihrer Verwendung, illustriert durch Anwendungsbeispiele. Referent wird Herr Prof. Dr. Heiner Siedel, Professor für Angewandte Geologie am Institut für Geotechnik (Fakultät Bauingenieurwesen) der TU Dresden sein. Er lehrt und forscht seit mehr als 25 Jahren zur baulichen Verwendung von Naturstein sowie seiner Verwitterung und Konservierung/Restaurierung an Denkmalen, vor allem in Sachsen.

Foto: freiberger-dom.de