Vergangene Vorträge 2016

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 21. Januar 2016, 19:30 Uhr

„Strukturbildung in Natur und Kunst“

Altrektor Prof. Dr. Dietrich Stoyan, Freiberg
142. Freiberger Kolloquium, Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestr. 6

Galaxien im Weltraum, Flechten an einem Baumstamm, Kristalle eines Minerals – sie alle haben etwas gemeinsam: Ihre Ausformungen sind natürlich „gewachsen“ und sehen dazu wie zufällig entstanden aus. Papiercollagen des Künstlers Hans Arp, Action-Bilder von Jackson Pollock, die bunten Muster von Gerhard Richter in den Fenstern des Kölner Doms - diese Kunstwerke erwecken den Eindruck, sie seien spontan und fast wie zufällig entstanden. Was aber ist Zufall, sei es in der Natur oder in der Kunst? Kann man zufällige geometrische Strukturen wissenschaftlich untersuchen? Ja, man kann - damit beschäftigen sich stochastische Geometrie und die räumliche Statistik, die Arbeitsgebiete von Prof. Dr. Dietrich Stoyan. Es gibt zahlreiche mathematische Modelle, mit denen man Strukturen erzeugen kann, die denen aus der Natur und der Kunst sehr ähnlich sehen. Die Mathematik kann uns also helfen, auch Kunstwerke zu verstehen. Wie gehen Künstler aber denn wirklich vor, überlassen sie etwas dem Zufall oder arbeiten sie gar mit Algorithmen? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Natur, den Wissenschaften und der Kunst? Prof. Stoyan wird anhand von Beispielen versuchen, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Prof. Dr. Dietrich Stoyan, ehemaliger Rektor der TU Bergakademie Freiberg ist ein international erfolgreicher Mathematiker. Dank Prof. Stoyan wurde Freiberg zu einem Zentrum der räumlichen Statistik. Er ist Autor von 370 wissenschaftlichen Publikationen und 26 Büchern und hat das Standardbuch über stochastische Geometrie verfasst. Prof. Stoyan war es immer wichtig, sich mit den Anwendungen der Mathematik zu befassen. Er beschäftigte sich zum Beispiel mit der Modellierung von bergbaulichen Fördersystemen, mit Abläufen biologischer Systematik, mit geologischen Riss-Systemen, mit Porenbetonen und vielem mehr. Am bekanntesten ist jedoch das Euro-Projekt von Prof. Stoyan – darüber wurde sogar in der „New York Times“ berichtet.

Eine humorvoll gemeinte Alternative zu den Kölner Domfenstern von Gerhard Richter: Dirichlet-Mosaik zu einem Cluster-Punktfeld; Hahn und Stoyan in der FAS vom 9. September 2007.

Donnerstag, 25. Februar 2016, 19:30 Uhr

„Standortsuche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle –
Kriterien und Bürgerbeteiligung“

Prof. Dr. Wolfram Kudla, TU Bergakademie Freiberg, Institut für Bergbau und Spezialtiefbau
143. Freiberger Kolloquium, Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestr. 6

Das „Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle“ (Standortauswahlgesetz) wurde im Juli 2013 verabschiedet. Dieses Gesetz soll durch die „Kommission Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe“ (Endlagerkommission), die vom Bundestag und Bundesrat eingesetzt wurde, evaluiert werden. Die Kommission aus 32 Mitgliedern hat die schwierige Aufgabe, geowissenschaftliche Mindestanforderungen, Ausschlusskriterien und Abwägungskriterien, die im Gesetz nicht näher spezifiziert sind, für die Standortsuche festzulegen, sowie die Bürgerbeteiligung bei der Standortsuche genauer zu spezifizieren. Dabei soll eine „neue Qualität“ an Bürgerbeteiligung erreicht werden, die über die übliche Bürgerbeteiligung bei Planfeststellungverfahren hinausgeht. Das Standortauswahlverfahren wird in drei Phasen ablaufen und vermutlich mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Das Ziel ist es, einen Standort für ein Endlager mit der „bestmöglichen Sicherheit für eine Million Jahre“ zu finden.

Im Rahmen dieses Vortrages wird der Referent als Mitglied der Endlagerkommission über die Arbeit der Kommission und über die bisherigen (vorläufigen) Ergebnisse berichten.

Besuch der Endlagerkommission.

Donnerstag, 17. März 2016, 19:30 Uhr

„Sächsischer Serpentin – Ein Stein und seine Verwendung“

Dr. Eva Maria Hoyer (ehemals GRASSI Museum Leipzig)
144. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia

Serpentinsteinlagerstätten sind weltweit verbreitet. Jedoch allein in Sachsen hat die Verarbeitung des Gesteins europäische Bedeutung erlangt. Ausgangspunkt und Zentrum der sächsischen Serpentinsteinverarbeitung war seit Mitte des 15. Jahrhunderts der auf dem Erzgebirgskamm an einer alten Handelsstraße via Prag und Italien gelegenen Grenzort Zöblitz. Unter Kurfürst August von Sachsen und seinen Söhnen und Nachfolgern erlebte die Verarbeitung des Gesteins seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts einen beispiellosen Aufschwung. Das Gestein wurde in zahlreichen kurfürstlichen Bauten zum Einsatz gebracht und an befreundete Höfe exportiert. In Zöblitz entstand gegen Ende des 16. Jh. die einzige Serpentindrechslerinnung Europas. Bis zur Auflösung des Innungsverbandes nach der Mitte des 19. Jh. wurden von den Zöblitzer Meistern unverwechselbare Tisch- und Haushaltsgerätschaften in einer breiten Produktpalette auf der „Fitschel“ gedrechselt.

Schon seit der Antike schrieb man dem Serpentin- oder Schlangenstein die magische Kraft des Giftschutzes zu. So waren die meist kostbar in Silber und Gold gefassten Serpentingerätschaften an den Fürstentafeln in ganz Europa hoch begehrt und auch in nahezu allen weltlichen und kirchlichen Kunstkammern nördlich der Alpen vertreten. Schlichter in Zinn gefasste Trink- und Vorratsgefäße eroberten seit Mitte des 17. Jahrhunderts auch die bürgerlichen Haushalte.

Nach heftigen Krisen erlebte die Serpentinverarbeitung mit der 1861 gegründeten Sächsischen Serpentinstein-Aktiengesellschaft noch einmal eine letzte große Blüte. Heute ist das Handwerk zum Erliegen gekommen. Die Brüche auf Zöblitzer und Ansprunger Flur sind geschlossen.

Es lohnt sich jedoch, der grandiosen Erfolgsgeschichte der Serpentinsteinverarbeitung in Sachsen durch fünf Jahrhunderte noch einmal zu folgen.

Donnerstag, 14. April 2016, 19:30 Uhr

„Bergbau und Konflikt-Minerale in Afrika“

Nathalie Sterbik, M.Sc. in Bergbaugeologie, Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
145. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia

Einerseits sind die Rohstofflieferungen Afrikas für die Versorgung der Weltwirtschaft von Bedeutung, andererseits spielen die Exporte aber auch eine wesentliche Rolle für die Wirtschaft dieser Länder. Die steigende Nachfrage (auch in Schwellenmärkten) und der Preisanstieg für einzelne Rohstoffe könnten eine günstige Gelegenheit für die afrikanischen Bergbauländer darstellen.

In großen Teilen des subsaharischen Afrikas wird der Bergbau jedoch noch in sehr kleinem Maßstab und – aufgrund keiner oder nur geringer Mechanisierung – mit hohem Arbeitsaufwand betrieben. Diese Arbeiten werden allgemein als Einzel- und Kleinbergbau (Artisanal and Small-Scale Mining, ASM) kategorisiert. In Zentralafrika steht der ASM zusätzlich auch mit sogenannten „Konfliktmineralien“ in Verbindung (kurz gesagt, „Konfliktressourcen sind natürliche Ressourcen, deren systematische Ausbeutung und Handel im Kontext eines Konfliktes zu schwersten Menschenrechtsverletzungen, Verletzungen des humanitären Völkerrechts oder Verwirklichung völkerstrafrechtlicher Tatbestände führen kann“ (BICC, 1994)).

Diese Präsentation vermittelt einen Überblick über den Bergbau in Afrika, sowohl über industriellen Bergbau als auch Kleinbergbau, und behandelt das Thema der Konfliktmineralien. Es wird ebenfalls die Verbindung zwischen den beteiligten Akteuren und den Initiativen rund um ASM und Konfliktmineralien aufgezeigt.

Kleinbergbau in Afrika, hier: Abbau von Zinn in der Demokratischen Republik Kongo, Foto: Nathalie Sterbik.

Donnerstag, 26. Mai 2016, 19:30 Uhr

„Die Stadt Freiberg und ihre Bergakademie: Visionen und Konzepte“

Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Rektor der TU Bergakademie Freiberg
146. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia

Die TU Bergakademie Freiberg setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 1765 mit den jeweils aktuellen und zukünftigen Ressourcenthemen ihrer Zeit auseinander. Für die kontinuierliche und erfolgreiche Entwicklung der Bergakademie waren seit jeher die Visionen und Konzepte ihrer Mitglieder zur zukünftigen Ausrichtung der Universität entscheidend. Um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen an die Ressourcenuniversität zu entsprechen, wird der 40. Rektor der Bergakademie, Herr Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, im Rahmen des Freiberger Kolloquiums Einblicke in seine Visionen und Konzepte für die TU Bergakademie Freiberg geben.

„Leben wir in einer neuen Eiszeit?“

Donnerstag, 23. Juni 2016, 19:30 Uhr

Prof. Dr. Jörg F. W. Negendank, Geoforschungszentrum Potsdam
147. Freiberger Kolloquium, Achtung neuer Veranstaltungsort!
Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6.

In 600 Millionen Jahren hat die Erde verschiedene Klimaphasen durchlaufen. Noch vor 20.000 Jahren lag Norddeutschland unter einer Eisdecke. Seit deren Abschmelzen vor 11.600 Jahren, leben wir in einer Warmzeit. Man nennt das auch den letzten glazialen Zyklus von mehreren Zyklen seit 800.000 Jahren. Die Erde befindet sich dabei seit 2,8 Millionen Jahren in dem Sonderzustand, dass beide Polkappen vereist sind.

Das ist in der Erdgeschichte einmalig, meint Prof. Negendank. Der Geowissenschaftler untersuchte zwischen 1975 und 2003 ( 1992-2003 am GFZ ), die erdgeschichtliche Entwicklung des Klimas ( Paläo-Klima ) anhand von Maar-See Sedimentsequenzen, den einzigen jährlichen Ablagerungen auf den Kontinenten, entlang von Klima-Transsekten in Eurasien. (Terrestrische Paläoklimatologie).

Zu Beginn der heutigen Warmzeit vor rund 11.600 Jahren ist der Mensch sesshaft geworden (Landwirtschaft, Pflanzen- und Tierzucht) und beginnt mit der Atmosphäre zu interagieren, in dem er vor allem seit der industriellen Revolution die Zusammensetzung der Treibhausgase durch die Verbrennung der fossilen Kohlenwasserstoffe massiv klimawirksam verändert.

In den letzten 55 Millionen Jahren kühlt die Erde immer weiter ab. Dabei sind Klimawechsel zwischen wärmeren und kälteren Phasen zu beobachten. Um diese Wechsel zu verstehen, müssen die Forscher die unterschiedlichen Eiszeitzyklen untersuchen. Prof. Negendank stellt in seinem Vortrag Hypothesen für die Ursachen der Klimawechsel und die Nutzung der wichtigsten Archive zur Klimarekonstruktion vor.

Das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ erforscht als nationales Forschungszentrum für Geowissenschaften weltweit das "System Erde" mit den geologischen, physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen, die im Erdinneren und an der Oberfläche ablaufen. Es ist Teil der Helmholtz-Gemeinschaft und forscht programmorientiert innerhalb der Helmholtz-Forschungsbereiche Erde und Umwelt und Energie.

Donnerstag, 15. September 2016, 19:30 Uhr

„Neue Wege zur Bereitstellung von Originalgesteinen für die Baudenkmalerhaltung –
Wiedererschließung alter Steinbruchreviere in Baden-Württemberg“

Dr. Wolfgang Werner, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg i.Br.
148. Freiberger Kolloquium, Achtung neuer Veranstaltungsort!
Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6.

Anfang des neuen Jahrtausends stieg der Bedarf an witterungsbeständigem, statisch hoch belast­barem Originalgestein für bedeutende Bauwerke durch verschiedene Großprojekte der Baudenk­malpflege deutlich an – nicht zuletzt, weil sich die bis dorthin fast ausschließlich eingesetzten teuren Erhaltungsmaßnahmen häufig wirkungslos zeigten. Die staatliche Baudenkmalpflege wendete sich daher an den Geologischen Dienst, um dessen Expertise für die Beschaffung von Originalgesteinen für umfangreichen Gesteinsaustausch zu nutzen. Nach erfolgreicher und vergleichsweise kostengünstiger Sanierung einer bedeutenden Basilika mit den vom Landesdienst erkundeten vulkanischen Gesteinen aus dem Kaiserstuhl mehrten sich in der Folgezeit die Aufträge zur Suche nach hochwertigem heimischem Werksteinmaterial von Seiten kirchlicher Bauämter, von Münsterbauhütten sowie von Eigentümern von Burgen und Schlössern und vielen Steinmetz- und Restaurierungsbetrieben.

Umfangreiche, meist mehrjährige Kartier- und Bohrprogramme führten auch in anderen Landes­teilen zum Nachweis von historisch genutzten Werksteinlagerstätten mit den benötigten Gesteins­typen und -qualitäten. Probeabbauarbeiten mit „schwerem Gerät“ schlossen sich an. In der Folge­zeit wurden auch bislang unbekannte Lagerstätten nachgewiesen, aus denen nun Material für bedeutende romanische und gotische Bauwerke gewonnen wird. Die Sanierung des Breisacher Münsters mit Originalmaterial ist abgeschlossen, am Ulmer Münster und am Freiburger Münster laufen seit Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten, an der Burg Hohenzollern haben sie be­gonnen – um einige wichtige Beispiele zu nennen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Geologischem Landesdienst, staatlicher Denkmalpflege, Bauwerkseigentümern und Naturstein­industrie gilt bundesweit als Musterbeispiel.

Im Vortrag wird zunächst die beeindruckende Vielfalt an heimischen Werksteinarten vorgestellt und Beispiele für ihre Entstehung gegeben. Schließlich werden einige spannende Fälle der modernen Baudenkmalpflege vorgestellt – vom Auftrag an den Geologischen Dienst, über die Gesteins- und Schadens­be­stimmung, die Suche nach Originallagerstätten, ihre Bewertung und Neuerschließung bis zum Einbau der neuen Werkstücke am Baudenkmal.

Donnerstag, 13. Oktober 2016, 19:30 Uhr

„Weltkulturerbe Montanregion Erzgebirge: Wie geht’s weiter?“

Prof. Dr. Helmuth Albrecht, TU Bergakademie Freiberg,
Institut für Industriearchäologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte
149. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia

Prof. Dr. Helmuth Albrecht, TU Bergakademie Freiberg

Prof. Helmuth Albrecht ist Leiter der Welterbe-Projektgruppe „Montanregion Erzgebirge“, die für die Aufnahme der Region in die Welterbeliste der Unesco zuständig ist. 2014 wurde von der Projektgruppe ein Antrag auf die Aufnahme erarbeitet und anschließend dem Welterbe-Kommittee in Paris vorgelegt. Im Frühjahr 2016 musste der Antrag jedoch zurückgezogen werden. Prof. Albrecht wird über den aktuellen Stand des Antragsverfahrens berichten, da ICOMOS International in Paris, die für die Antragsprüfung zuständig ist, empfohlen hat, den Antrag zu überarbeiten. Bis zum 1. Februar 2017 soll eine neue Version in Paris eingereicht werden. Die Projektgruppe ist mit der Überarbeitung des Antrags beauftragt.

Donnerstag, 20. Oktober 2016, 18 Uhr

"Konfliktpotentiale museal präsentierter Rohstoffe"

Vortrag* von Nadja Nowak, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover
*in Englisch mit deutscher Übersetzung

Geologisches Material gehört zu den allerersten Sammlungsgegenständen von Museen. Der Bewunderung seltener Mineralien in der Naturalienkammer des 18. Jahrhunderts steht ein überdimensionaler Hunger nach Rohstoffen im 21. Jahrhundert gegenüber. Seltene Erden werden durch massive Eingriffe in die Natur noch rarer und sind Gegenstand konfliktreicher Auseinandersetzungen.

Eine Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von FELLOW ME!,
der mobilen Akademie im Programm Fellowship Internationales Museum.

Spessartin, Mina Navegadora, Conselheiro Pena, Minas Gerais, Brasilien, 3 x 2,25 cm, Foto: Jörg Wittig, Dresden.

Donnerstag, 24. November 2016, 19:30 Uhr

„775 Jahre Bergverwaltung in Sachsen und
25 Jahre Wiedergründung Sächsisches Oberbergamt“

Prof. Dr. Bernhard Cramer, Oberberghauptmann Sächsisches Oberbergamt
150. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia

Am 20. November 1946, vor 70 Jahren, war das seit Jahrhunderten etablierte Sächsische Oberbergamt in Freiberg mit Befehl Nr. 323 des obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration aufgelöst worden. 45 Jahre später, vor fast genau 25 Jahren, am 15. Dezember 1991, wurde das Sächsische Oberbergamt neu gegründet.

Nach einer Jahrhunderte alten Bergbaugeschichte des Erzgebirges und Sachsens insgesamt sowie schließlich auch am Ende eines rund halben Jahrhunderts staatlichen Bergbaus der DDR, stand der Bergbau in Sachsen Anfang der 1990er Jahre vor riesigen Herausforderungen: Der umfangreiche  Staatsbergbau insbesondere auf Uran, Erz und Braunkohle brach unter den neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in weiten Teilen zusammen. Bergbauliche Hinterlassenschaften prägten großflächig und tiefgreifend das Land. Die bergbehördlichen Strukturen, mit dem neuen rechtlichen Rahmen des Bundesberggesetzes, mussten völlig neu organisiert werden. In den Folgejahren wurde dieser Strukturwandel in Sachsens Bergbau unter der Aufsicht des Sächsischen Oberbergamtes umgesetzt. So kam es zu vielen Schließungen und immensen Anstrengungen für die Wiedernutzbarmachung und Sanierung der betroffenen Hinterlassenschaften.

Heute stehen der Bergbau in Sachsen und das Sächsische Oberbergamt vor neuen Aufgaben. Seit etwa 10 Jahren erfährt Sachsen wieder eine Welle des Erkundungsbergbaus auf Erze und Spate, mit dem ersten neuen Untertage-Flussspat-Bergwerk in Niederschlag. Insbesondere der seit 2012 im Freistaat angestrebte Anspruch auf eine sichere, saubere und die Umwelt schonende Rohstoffversorgung der Wirtschaft, fordert von der Bergverwaltung ein umsichtiges Ordnen und Fördern des neuen Bergbaus ein. Außerdem treten die Sanierungen vielerorts in eine Nachsorgephase ein, was neue fachliche Herausforderungen für Unternehmen und Bergverwaltung mit sich bringt

Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer beleuchtet in seinem Vortrag diese gewaltigen Veränderungen mit ihren Auswirkungen bis in die heutige Zeit hinein, wobei sich das Sächsische Oberbergamt selbst kontinuierlich weiterentwickelt. So steht derzeit die Digitalisierung für eine moderne Verwaltung und die Bewältigung des weitreichenden Generationswechsels bei den Fachkräften an.