Vergangene Vorträge 2014

Donnerstag, 27. November 2014, 19:30 Uhr

Giganten der Urzeit – Arthropleura, Meganeura und Co.

Prof. Dr. Jörg Schneider, Institut für Geologie, TU Bergakademie Freiberg
132. Freiberger Kolloquium, Achtung! Anderer Veranstaltungsort: Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6

Giganten der Urzeit – jeder denkt dabei wohl zuerst an die 35 m langen und bis 100 t schweren Dinos und die Flugsaurier mit 10 m Flügelspannweite der Kreidezeit. Es hat auch nach ihnen Giganten gegeben – die bis 2,5 m hohen räuberischen Laufvögel im Tertiär und unsere heutigen Blauwale mit 35 m Länge und 200 t Gewicht… Vor all diesen riesigen Wirbeltieren des Erdmittelalters und der Erdneuzeit waren es die Gliederfüßler, die Arthropoden, die im Erdaltertum gigantische Ausmaße erreichten. Über 2,5 m lange Seeskorpione in den Meeren des Devon, Arthropleura im Karbon und Perm, der mit fast 2,5 m Länge größte Gliederfüßler der jemals auf der Erde lebte, und das Rieseninsekt Meganeura mit 80 cm Flügelspannweite. Wir rekonstruieren ihre Lebensräume, ihre Beute und ihre Feinde und versuchen Antwort auf die Frage zu finden, warum immer wieder in der Erdgeschichte derartige, so ungewöhnlich große Tiere erschienen. Dazu begeben wir uns auf die Spur dieser Urzeitriesen in Deutschland, Schottland, Marokko und New Mexico.

Donnerstag, 20. November 2014, 19:00 Uhr

"Foraminiferen und die Biomineralisation"

Begleitvortrag zur aktuellen Sonderausstellung: "Foraminiferen: Kleine Baumeister im Ozean".

Prof. Dr. Hermann Ehrlich
TU Bergakademie Freiberg, Institut für Experimentelle Physik
Achtung: Anderer Veranstaltungsort: Vortragsraum im Krügerhaus, Schloßplatz 3

Biomineralisation beschreibt das Entstehen von mineralischen Produkten, sogenannten Biomineralen. Sie sind die Folge der Lebenstätigkeit von Organismen und fast so alt wie das Leben auf der Erde selbst. „Aufgrund ihrer uralten Herkunft und ihrer einzigartigen Chemie können sie über grundlegende Fragen der molekularen Evolution wie zum Beispiel über den Ursprung vielzelliger Lebewesen Aufschluss geben“, erklärt Prof. Hermann Ehrlich, Heisenberg-Professur für Biomineralogie und Extreme Biomimetik.

Auch die Foraminiferen gehören zu den biomineral-produzierenden Organismen. Für den Bau ihrer Gehäuse hat sich bei den Foraminiferen eine breite Palette an biomineralischen Baumaterialien und möglichen Kammerformen herausgebildet. Ihre Gehäuse bestehen meist aus Kalziumkarbonat oder aus Fremdpartikeln. In seinem Vortrag wird Prof. Hermann Ehrlich die Foraminiferen als Biomineralisationskünstler von globaler Wirkung vorstellen.

Prof. Hermann Ehrlich beschäftigt sich an der TU Bergakademie Freiberg mit der Biomimetik. Diese Forschungsrichtung versucht, Konstruktions- und Funktionsprinzipien, die sich in der Natur bewährt haben, auf technische Innovationen zu übertragen. Eine tragende Rolle spielen dabei Lebewesen, die zur Biomineralisation fähig sind, so auch die Foraminiferen mit ihren Mineralgehäusen. Ziel ist es komplett neue Biomaterialien und Biokomposite zu entwickeln, die sich z.B. durch hohe Hitze- und Druckbeständigkeit auszeichnen.

An der Universität in Lemberg promovierte Prof. Hermann Ehrlich, um dann als Postdoktorand an das Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien und das Institut für Werkstoffwissenschaft der TU Dresden zu gehen. Er habilierte im Fach Biomaterialien an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Seit 2013 ist er Heisenberg-Professur für Biomineralogie und Extreme Biomimetik für die Erschließung eines neuen Fachgebiets.

Donnerstag, 30. Oktober 2014, 19:00 Uhr

"Erdöl - Fluch und Segen"

Begleitvortrag zur aktuellen Sonderaussellung: "Foraminiferen: Kleine Baumeister im Ozean".

Prof. Dr. Martin Langer
Universität Bonn, Steinmann-Institut, FB Mikropaläontologie
Veranstaltungsort: Hörsaal Physik, Silbermannstraße 1

Es stinkt und schmiert, und ist der Lebensnerv unserer modernen Zivilisation. Tag für Tag verbraucht die moderne Industriegesellschaft 14 Milliarden Liter. Erdöl ist der Rohstoff des 20. Jahrhunderts und die wichtigste Energiequelle der modernen Welt. Wie kaum ein anderer Rohstoff hat Erdöl die Lebensbedingungen und den Erfahrungshorizont des Menschen verändert. Es hat Wirtschaftsimperien geschaffen und die beiden Weltkriege beeinflusst, Männer wie Rockefeller und die Rothschilds zu Multimilliardären gemacht und gleichzeitig die Teilung der Welt in Arme und Reiche entscheidend beeinflusst. Erdöl ist der Stoff, der die Entwicklung der Industriegesellschaften vorangetrieben hat, von dem wir abhängig sind und ohne den unser Alltag aufhören würde zu funktionieren. Doch wie entsteht Erdöl? Wie wird es gefördert und verarbeitet? Was kostet Erdöl an der Quelle, wie viel bezahlt der Verbraucher und wer verdient am Rohstoff Erdöl? Was kann in Anbetracht versiegender Ölquellen und der enormen Umweltprobleme getan werden und wie gehen wir mit dem kostbaren Rohstoff Erdöl um? Wie groß sind unsere Reserven? Was tun angesichts versiegender Ölquellen?

Donnerstag, 23. Oktober 2014, 19:30 Uhr

"Drei Jahre Helmholtz Institut Freiberg für Ressourcentechnologie - Status und Ausblick"

Prof. Dr. Jens Gutzmer, Helmholtz Institut Freiberg
131. Freiberger Kolloquium, Veranstaltungsort: Hörsaal Physik, Silbermannstraße 1

Am 29. August 2011 wurde das Helmholtz Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (kurz HIF) von der TU Bergakademie Freiberg und dem Helmholtz Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam gegründet. Damit wurde eine wesentliche Lücke in der außeruniversitären Forschungslandschaft in Deutschland geschlossen. In enger Kooperation mit den Kollegen an der TU Bergakademie Freiberg und am HZDR ist es Kernaufgabe des HIF, neuartige Technologien durch wertstoffkettenübergreifende Forschung zu entwickeln, die eine energie- und ressourceneffiziente Nutzung komplexer mineralischer und metallhaltiger Rohstoffe ermöglichen. Nach nun drei Jahren des Aufbaus ist das HIF zu einer Größe von fast 100 Mitarbeitern angewachsen, erste Laborinfrastrukturen werden betrieben, Forschungs- projekte zeigen wichtige Resultate und die Sanierungsarbeiten am endgültigen Standort des Institutes sind angelaufen. Es ist daher angemessen, einen Statusbericht zum HIF zu liefern - und einen vorsichtigen Ausblick auf die möglichen Entwicklungen der nächsten Jahre zu versuchen.

Donnerstag, 9. Oktober 2014, 19:00 Uhr

„Die große Rolle der Kleinen: einzellige Architekten im Ozean“

Begleitvortrag zur aktuellen Sonderaussellung: "Foraminiferen: Kleine Baumeister im Ozean".

Prof. Dr. Olaf Elicki TU Bergakademie Freiberg, Geologisches Institut, Bereich Paläontologie Achtung: Anderer Veranstaltungsort: Vortragsraum im Krügerhaus, Schloßplatz 3

Die wahren Herrscher unseres Planeten sind winzige Einzeller! Eine besonders interessante Gruppe unter ihnen stellen Foraminiferen dar, ihnen ist derzeit eine Sonderausstellung der terra mineralia gewidmet. Foraminiferen sind kleine Lebewesen, die zumeist eine Kalkschale besitzen und in allen Meeren der Erde vorkommen. Ihre Gehäuse sind unglaublich anmutige, kleine Kunstwerke. Doch geht die Bedeutung dieser Organismen weit über ihre Ästhetik hinaus! Sie bestimmen maßgeblich das Weltklima mit, sie sind unentbehrlich für uns, um Erdöl zu finden und zu fördern, wir brauchen sie, wenn wir Tunnel bauen und wenn wir die ökologischen Veränderungen in unserer heutigen Umwelt bemerken und jene in der geologischen Vergangenheit verstehen wollen. Im Vortrag werden diese erstaunlichen, doch den meisten Menschen weithin unbekannten Lebewesen vorgestellt und ihre gewaltige Bedeutung für das tägliche Leben eines jedes Einzelnen von uns diskutiert.

Donnerstag, 25. September 2014, 19:30 Uhr

"Bergbau und Bergbauausbildung in Afghanistan"

Prof. Dr. Carsten Drebenstedt, TU Bergakademie Freiberg
130. Freiberger Kolloquium, Achtung! Anderer Veranstaltungsort: Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6, Eintritt frei

Was als Vergeltungsschlag 2002 in Afghanistan begann, soll 2014 zunächst mit dem Abzug von Kampftruppen weiter gehen. Wie häufig bei Militärinvasionen bleibt die Frage, was hat es dem Land gebracht? Wirtschaftlich kaum etwas. Angesichts einer enorm hohen Analphabeten- und Arbeitslosenquote, verstärkt durch eine bevorstehende Bevölkerungsexplosion benötigt das Land dringend Bildung und Beschäftigung, um den Nährboden für eine Radikalisierung als auskömmliche Alternative zu entziehen. Eines der Potenziale ist neben der geduldeten Opiumproduktion die Nutzung weiterer natürlicher Ressourcen des Landes, z.B. der mineralischen Rohstoffe, deren Abbau weiter brach liegt. Dabei ist Afghanistan reich an mineralischen Rohstoffen. Das Land wurde immer wieder geologisch erkundet; seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gibt es eine Bergbaufakultät in Kabul, die wie die Bergbauproduktion mit sowjetischer Unterstützung aufgebaut wurde. Der Vortrag gibt einen Einblick in eines der Projekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit (Entwicklungshilfe) im Rohstoffsektor, an der die TU Bergakademie Freiberg als fachliche Stelle verantwortlich mitwirkt.

Donnerstag, 26. Juni 2014, 20:00 Uhr (nach dem Deutschland-Spiel; Eingang über den kleinen Schloßhof, rechts des Haupteingangs)

"Wie funktioniert die Ressourcenfabrik? Freiberger Geowissenschaftler am Tibetplateau"

Prof. Dr. Lothar Ratschbacher, TU Bergakademie Freiberg
129. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Die Ressourcenfabriken unserer Erde sind die Kollisionzonen, in denen die Lithosphärenplatten aufeinandertreffen und die Gebirge der Erde entstehen und vergehen. Das Himalaja-Pamir-Tibet Plateau in Asien ist die aktive Ressourcenfabrik der Erde. Dort versucht die internationale Forschungsfront der geologischen Wissenschaften, die Interaktionen von Mantel, Lithosphäre, Atmosphäre und Biosphäre zu verstehen. Sie werden sehen, wie zum Beispiel große Gebirge das Weltklima verändern, spezielle Klimate Gebirge formen, Hochplateaus zerfließen, Flüsse Gebirgsbildung anzeigen und hohe Gebirge tiefe Erdbeben erzeugen. Und natürlich werden Sie sich mit uns in den Gebirgen umschauen: vom Hindu Kush in Afghanistan über die Gipfel des Pamirs auf das Tibetplateau und zu den goldenen Pagoden Burmas.

Prof. Dr. Lothar Ratschbacher (TU Bergakademie Freiberg) bei der Arbeit in der Ressourcenfabrik: Süd-Pamir, ca. 5000 Meter; Vortrag: "Wie funktioniert die Ressourcenfabrik? Freiberger Geowissenschaftler am Tibetplateau" am Donnerstag, 26. Juni 2014, 19:30 Uhr

Prof. Dr. Lothar Ratschbacher (TU Bergakademie Freiberg) bei der Arbeit in der Ressourcenfabrik: Süd-Pamir, ca. 5000 Meter.

Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:30 Uhr

"Energiespeicherung in geologischen Formationen"

Prof. Dr. Mohammed Amro, TU Bergakademie Freiberg
128. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Die Sicherheit der Energieversorgung in der Bundesrepublik Deutschland stellt zweifellos ein Gemeinschaftsinteresse höchsten Ranges dar, denn mehr als 95% vom verbrauchten Erdöl und ca. 90 % vom Erdgas müssen aus dem Ausland importiert werden. Damit eine sichere Erdgasversorgung der Bundesrepublik Deutschland unter diesen Bedingungen gewährleistet werden kann, wird z.B. Erdgas für mehr als 3 Monate in Untergrund-Gasspeichern vorgehalten.

Das erklärte Ziel der Bundesregierung ist es, den Strombedarf bis zum Jahr 2020 zu 35% und bis 2030 zu 50% aus regenerativen Quellen zu decken. Neben den noch offenen Problemen der Flächenbereitstellung für Photovoltaikanlagen und der Netzanbindung von Offshore-Windparks liegt einer der wunden Punkte in der zeitlichen Diskrepanz von Strombedarf und regenerativer Stromerzeugung. Ohne die Speicherung des unregelmäßig gewinnbaren regenerativen Stromes aus Wind und Sonne in Kurz- und Langfristperioden erscheint heute der Erfolg der Energiewende nicht möglich. Daher erweist sich die Errichtung von geeigneten Speicherräumen als ein unverzichtbares Instrument zur Regulierung des Aufkommens. Die Hauptaufgaben der Stromspeicher sind dabei der Ausgleich der tages- und jahreszeitlichen Schwankungen und die Versorgungsengpässe durch technische Betriebsstörungen oder politische Ereignisse zu überbrücken. Der Betrieb der errichteten Speicher muss unter wirtschaftlichen Bedingungen möglich sein. Im Vortrag sollen die neuen Herausforderungen an die Tiefbohrtechnik, die Soltechnik und die Speichertechnik, die  aufgrund der Energiewende sicher einen Aufschwung erleben werden, dargestellt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Speicherung in Salzkavernen sowie in aufgelassenen bergmännischen Hohlräumen. Die neuen Techniken werden im Rahmen des Vortrags diskutiert und bewertet.

Donnerstag, 15. Mai, 19:30 Uhr

"Hünengräber als geologische Besonderheit in den Werken des Malers Caspar David Friedrich"

Prof. Dr. Reinhard Wegner, Friedrich-Schiller-Universität Jena
Vortragssaal, Eintritt frei

Die Idee von der Unendlichkeit des Raumes und der Zeit wird zu einem faszinierenden Leitgedanken in Philosophie, Literatur und Kunst um 1800. Dabei spielen die Theorien von der Entstehung der Erde und der Entwicklungsgeschichte der Natur eine wichtige Rolle. Felsformationen, Versteinerungen oder auch Fundstücke längst untergegangener Kulturen ziehen die Aufmerksamkeit der Künstler auf sich. In allen Fällen geht es um extrem lange Entwicklungen, die mit unserem Erfahrungshorizont von zeitlichen Abläufen nicht mehr zu erfassen sind. Der Vortrag widmet sich dem Motiv der Hünengräber und Opfersteine auf Rügen, die im frühen 19. Jahrhundert in großer Anzahl von den Dresdener Malern entdeckt und zu einem symbolisch aufgeladenen Bildthema erhoben wurden. Neben Carl Gustav Carus, Philipp Otto Runge und Johan Christian Clausen Dahl befasste sich vor allem Caspar David Friedrich mit den steinernen Zeugnissen der Geschichte. Sein Interesse an den frühen Kulturen und an den geologischen Forschungen steht im Zentrum des Vortrages.

Caspar David Friedrich, "Hünengräber im Schnee", (1807, Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister).

Samstag, 10. Mai, 15:30 Uhr

"Faszinierende Mikroorganismen in 3D"

3D-Bildvortrag der Raumbildfreunde Sachsen e.V. als Ankündigung der Sonderausstellung „Die kleinsten Geologen der Welt“ im Herbst 2014 in der terra mineralia.
Vortragssaal, Eintritt frei

Zum Teil älter als die Menschheit, bewohnen noch heute uralte Arten der Foraminiferen aus der Zeit des Kambriums (vor ca. 510 Millionen Jahren) unsere Ozeane. Andere findet man als Fossilien in Steinen wie zum Beispiel Kalk. Weil sie so winzig sind und mit dem bloßen Auge kaum erkennbar, wird die prächtige Formenvielfalt der Foraminiferen meist erst unter dem Mikroskop sichtbar: Kleine in sich verdrehte, tuben- oder schneckenförmige, kugelige, strahlige oder sternengleiche Körper. Ihre filigrane Erscheinung ist so faszinierend schön, dass sie einem Kunstwerk der Natur gleicht. Ebenso könnte ihre Gestalt eine Inspirationsquelle für „utopische“ Architektur oder Raumschiffe sein. Es bestätigt sich wieder einmal, dass die Natur, selbst bis zu den kleinsten Formen hin, „perfekt“ ist.

Aber auch bei den Foraminiferen gilt: Form follows function. Denn interessanterweise haben sich die Foraminiferen mit ihrem Körperbau lediglich an ihr Umfeld und die Nahrungsaufnahme angepasst. Die kleinen Mikroorganismen sind spezialisiert auf das Leben an der Wasseroberfläche, im Sand am Meeresboden oder an die Strömung des Wassers. Neben ihrem bedeutenden Einfluss auf die Ozeane und das Klima sind sie aber auch enorm wichtig für die Erdölprospektion. Um die überwältigende Ästhetik der unterschiedlichen Figuren der Foraminiferen greifen zu können, werden am 10. Mai 2014 Mikroskop-Aufnahmen dieser Kleinstlebewesen in 3D gezeigt.

Was aber haben Foraminiferen mit der terra mineralia zu tun? Und warum plant die terra mineralia eine Sonderausstellung zu diesem Thema? Da Foraminiferen eine Grundlage für die Gesteinsbildung und Mineralisierung sind, sind sie „Die kleinsten Geologen der Welt“. Das ist auch der Titel der vom 19. September bis zum 30. November 2014 geplanten Sonderausstellung über die Foraminiferen. Ideengeber für die Sonderausstellung ist das Foraminifera.eu Projekt aus Hamburg. Weitere Partner der Ausstellung sind Schüler der Georgius-Agricola-Grundschule in Freiberg, der Patenschule der TU Bergakademie Freiberg. Die Ausstellung wird wissenschaftlich unterstützt von Prof. Dr. Olaf Elicki, Professor für Mikropaläontologie an der TU Bergakademie Freiberg. Die Sonderausstellung wird ermöglicht durch das Förder-Programm "Museobilbox" - Kultur macht stark! des Bundesverbandes der Museumspädagogen. 

Aufnahmen: Eberhard Raap, Sangerhausen

Donnerstag, 24. April 2014, 19:30 Uhr

"Schwarzer Rauch über Freiberg – 10 Jahre Brandversuche im Dienste der öffentlichen Sicherheit"

Dipl.-Ing. Thomas Hübler, MPA Dresden GmbH
127. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Vielen aufmerksamen Beobachtern fällt auf, dass in unmittelbarer Nähe zur Reichen Zeche sehr häufig große schwarze Rauchwolken zu sehen sind. Besorgte Bürger greifen dann auch gelegentlich zum Telefon, um den vermutlichen Brand zu melden.

Was keiner vermuten kann, soll im Rahmen des Vortrages so weit als möglich offen gelegt werden. In Freiberg wird am Fuchsmühlenweg bereits seit fast 90 Jahren zum Thema Brand- und Explosionsschutz geforscht und getestet. Diese Untersuchungen waren ursprünglich überwiegend den Gefahren im Bergbau gewidmet. Allmählich kamen weitere Fachgebiete wie zum Beispiel der bauliche Brandschutz dazu. Heute findet man unter der Firma MPA Dresden GmbH ein international tätiges renommiertes Kompetenzzentrum für aktiven und passiven Brandschutz, in dem eine Vielzahl von Fachleuten tagtäglich Prüfungen zum Nachweis der Eigenschaften von Produkten durchführen. Dabei ist das Anwendungsspektrum vielfältig. Es reicht von Produkten, die in Gebäuden verbaut werden über Produkte für Schiffe und Eisenbahnen bis hin zu Kabel, Tresoren, Sicherheitsschränken, Möbeln und nicht zuletzt Feuerlöschern.

Diese Tests unter Realbedingungen dienen dazu, die öffentliche Sicherheit und den Schutz von Menschen und Sachwerten im Brandfall zu verbessern. Da es nicht möglich ist, jedem Interessierten den Zugang zu den „geheimen“ Testlabors zu gestatten, wird hiermit neben einem historischen Abriss zur Entwicklung der Brand-prüfungen in Freiberg auch die Möglichkeit gegeben, indirekt einen Blick hinter die Kulissen einer Prüfstelle zu werfen.

Rauch eines Brandtests über Freiberg.

Donnerstag, 20. März 2014, 19:30 Uhr

"Das Erkundungsprojekt Gottesberg – von den DDR Explorationsdaten zur Ressourcenschätzung"

Dr. Jörg Reichert, Deutsche Rohstoff AG
126. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Im sächsischen Gottesberg und in Geyer rückten 2011 die Bohrtrupps an. Unter den kleinen Ortschaften liegen, gemessen am Zinninhalt, weltweit bedeutende aber noch unentwickelte Zinnlagerstätten. Die Zinnvorkommen des Erzgebirges und Vogtlandes sind aber nicht erst seit jüngster Zeit bekannt und begehrt. Das Gebiet um Gottesberg zeichnet sich durch eine bewegte Erkundungs- und Bergbauhistorie aus. Trotz des teilweise hohen Maßes der bislang getätigten Erkundungen und umfassend vorliegender DDR-Vorratsberechnungen, müssen diese Vorkommen erneut untersucht werden. Das Ziel ist die Ausweisung der Lagerstätteninhalte nach einer international anerkannten Bewertungsrichtlinie, dem nach dem australischen Ausschuss Joint Ore Reserves Committee (JORC) benanntem JORC-Code.

Der Vortrag gibt einen Einblick in die Explorationstätigkeit bis hin zur Ausweisung einer JORC-konformen Ressource. Der Referent, Jörg Reichert ist promovierter Lagerstättengeologe mit internationaler Erfahrung und arbeitet seit 2007 für die Deutsche Rohstoff AG als Leitender Geologe. Er ist Geschäftsführer der Sachsenzinn GmbH und Vorstand der Seltenerden Storkwitz AG.

Erkundungsbohrung im Erlaubnisfeld Gottesberg (Dr. Jörg Reichert, Deutsche Rohstoff AG).

Erkundungsbohrung im Erlaubnisfeld Gottesberg (Dr. Jörg Reichert, Deutsche Rohstoff AG).

Donnerstag, 27. Februar 2014, 19:30 Uhr

"Was bleibt?" - Tagebauerweiterungen und Umsiedlungen in der Lausitz

Robert Lorenz, Energiefabrik Knappenrode
125. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Im Jahr 1924 musste erstmals in der Geschichte des Lausitzer Braunkohlenreviers ein Dorf mit seinen Bewohnern einem Tagebau weichen. Dieser Vorgang der Devastierung von Ortschaften und Umsiedlung von Menschen hat sich in der Lausitz seither 136-mal wiederholt. Damals wie heute besteht ein Spannungsfeld zwischen energiewirtschaftlichen Erfordernissen, regionalen Interessen und persönlicher Betroffenheit. Viele umgesiedelte Menschen haben später selbst im Braunkohlentagebau gearbeitet.  

Der Vortrag „Was bleibt?“ verweist auf eine Wanderausstellung zum Thema mit dem gleichen Titel, die aktuell in der Eingangshalle des Sächsischen Oberbergamtes in Freiberg besichtigt werden kann. Vortrag und Ausstellung gehen der Frage nach, was für die Menschen des Reviers der Verlust ihrer Heimat bedeutet und wie sie damit umgehen. Der Referent und Kurator der Ausstellung, Robert Lorenz, zieht in seinem Vortrag an ausgewählten Beispielen aus Literatur, bildender Kunst und dem politischen Diskurs eine historische Linie von den 1930er-Jahren bis in die Gegenwart.

Donnerstag, 30. Januar 2014, 19:30 Uhr

„Auf den Spuren Alexander von Humboldts in Russland“

Prof. Dr. habil. Friedrich Naumann, TU Chemnitz
124. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Die erfolgreiche Forschungsreise Humboldts, die er von 1799 bis 1804 in Begleitung des Botanikers Aimé Bonpland in die Neue Welt unternahm, inspirierte ihn, Sibirien und Indien als Reiseziele ins Auge zu fassen, um die Anden mit dem Himalaja und die venezolanischen Llanos mit den sibirischen Steppen vergleichen zu können. Nicht zuletzt sollten die Erkenntnisse über andere Kontinente und Kulturen in das geplante Werk Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung einfließen, das er als Gesamtschau der wissenschaftlichen Welterforschung plante.

Nach seiner Rückkehr aus Paris, wo er hauptsächlich an seinem 30-bändigen Reisewerk arbeitete, aber auch eine Vielzahl wissenschaftlicher Verbindungen pflegte, erhielt er 1827 ein Angebot des russischen Finanzministers Graf Georg von Cancrin, im Für und Wider der Einführung einer Platinwährung hilfreich zu sein und eine Expedition ins Zarenreich zu unternehmen. Allerdings sollte diese nicht nur das Währungsproblem lösen, sondern einen zutiefst wissenschaftlichen Charakter annehmen. Humboldt konnte deshalb für die Expedition auch den Mediziner, Zoologen und Botaniker Christian Gottfried Ehrenberg und den Chemiker und Mineralogen Gustav Rose gewinnen.

Die abenteuerliche Reise begann im April 1829 in Berlin und führte über Königsberg – St. Petersburg – Moskau – Jekaterinburg – Tobolsk – Miass – Orenburg – Astrachan – Tula – Moskau und St. Petersburg wieder zurück nach Berlin. In der Bilanz stehen nicht nur 19.000 km in der Kutsche, zu Fuß, auf dem Wasser oder zu Pferde, sondern insbesondere eine Vielzahl hervorragender Forschungsergebnisse zu Bergbau und Hüttenwesen wie auch zu Geographie, Botanik, Zoologie, Paläontologie, Meteorologie, Klimatologie, Geomagnetismus usw., mit dem sich Humboldt gleichermaßen in das Buch der russischen Geschichte einzutragen wußte.

Prof. Naumann hatte Gelegenheit, im Rahmen eines internationalen Forschungsprojektes den Wegen Humboldts in Rußland persönlich nachzuspüren und wird im Vortrag seine Reise-Impressionen wiedergeben.

Die Mitglieder der Deutschen Assoziation der Absolventen und Freunde der Moskauer Lomonossov-Universität e.V. haben zum allerersten Mal den Humboldt-Berg im Nordural bestiegen.

Die Mitglieder der Deutschen Assoziation der Absolventen und Freunde der Moskauer Lomonossov-Universität e.V. haben zum allerersten Mal den Humboldt-Berg im Nordural bestiegen.

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.