Vergangene Vorträge 2013

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 7. November 2013, 19:30 Uhr

„Neue Ergebnisse zur Bauforschung und Denkmalpflege in Freiberg“

Dr. Uwe Richter, Stadtverwaltung Freiberg
123. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Im Vortrag wird auf die Ergebnisse der Bauforschung in den letzten Jahren in Freiberg eingegangen, die im Unterschied zur Archäologie fast ausschließlich ehrenamtlich durchgeführt wird. Mit Hilfe der Bauforschung konnten zahlreiche neue Erkenntnisse zur Stadtgeschichte, vorrangig zur baulichen Entwicklung Freibergs ermittelt werden. Darauf aufbauend ist es möglich, sich ein genaueres Bild von der Stadtgestalt, von den sozialen Verhältnissen in der Kommune und von weiteren Bereichen städtischen Lebens während des Mittelalters und der Neuzeit zu machen. Außerdem wird darauf verwiesen, dass durch bauhistorische Untersuchungen Grundlagen für denkmalpflegerische Entscheidungen geschaffen werden. Anhand von aktuellen Beispielen wird dies dargestellt.

Donnerstag, 10. Oktober 2013, 19:30 Uhr

„Energie aus der Erde - Die Tiefbohrung Schneeberg“

Prof. Dr. Matthias Reich, Prof. Dr. Steffen Wagner, TU Bergakademie Freiberg, Institut für Bohrtechnik und Fluidbergbau
122. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Die technische und wirtschaftliche Nutzung der Geothermie bzw. Erdwärme, die in Tiefen der Erdkruste bis 10 km vorgenommen wird, kann bei der Wärme- und Stromerzeugung aus Festgesteinen, der sogenannten petro-thermalen Geothermie, hilfreich sein. Sie stellt weltweit aber noch eine große Herausforderung dar. Deshalb sind in diesem Bereich weiterhin Forschungs- und Entwicklungsarbeiten notwendig. Der Freistaat Sachsen begann im Jahre 2008 unter Federführung des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit zielgerichteten Arbeiten zur Entwicklung der Tiefengeothermie, also einer Nutzung von Erdwärme aus der Erdrinde in Tiefen ab 400 m. Aufgrund der umfangreichen Voruntersuchungen, die im Rahmen des nationalen Forschungsverbundes „Tiefengeothermie Sachsen“ vorgenommen wurden, konnte der Standort Schneeberg hinsichtlich der geologischen und geothermischen Voraussetzungen als ein optimaler Standort im Erzgebirge bewertet werden. Die Grundidee des Vorhabens besteht darin, eine großräumige geologische Störung (in diesem Fall der „Rote Kamm“, ein mit Quarz und Hämatit mineralisiertes zentrales Störungselement der Gera-Jachymov-Störungszone) als natürlichen Wärmetauscher und somit als Überträger von Wärme ohne zusätzliche künstliche Maßnahmen zu erschließen.

Die für 2014 geplante, erste Bohrung hat dabei im Wesentlichen den Charakter einer Forschungs-und Erkundungsbohrung und bestimmt, abhängig von ihren Ergebnissen, das weitere Vorgehen innerhalb des Projekts. Im Vortrag von Prof. Reich und Prof. Wagner werden neue Methoden zur Hartgesteinszerstörung sowie neue Messverfahren zum Auffinden von Klüften und Störungen aufgezeigt, die dazu dienen, zukünftige Geothermalprojekte wesentlich kostengünstiger als bisher verwirklichen zu können. Weiterhin bietet diese Methode der Tiefbohrung auch einzigartige Möglichkeiten für die Geowissenschaften. Sie stellt neben der Kontinentalen Tiefbohrung in der Oberpfalz, einem zwischen 1987 und 1995 durchgeführten geowissenschaftlichen Großprojekt des Bundes, einen einzigartigen Tiefenaufschluss in Deutschland und insbesondere im Freistaat Sachsen dar.

Donnerstag, 26. September 2013, 19:30 Uhr

„Uranbergbau im Kalten Krieg“

Dr. Gerhard Barkleit, Dresden
121. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Neben der Militärindustrie der DDR war der Uranerzbergbau in der DDR ein streng geheim gehaltener Wirtschaftszweig. „Die Bedeutung der Wismut für die Stabilisierung der Sowjetunion als Weltmacht kann gar nicht unterschätzt werden“, sagen die Historiker Reiner Karlsch und Gerhard Barkleit. Denn Uran war die Grundlage für die atomare Aufrüstung der Sowjetunion und insofern überlebenswichtig für die Supermacht. „Wismut“ – unter diesem Namen wurden bis 1990 rund 230 000 Tonnen Uran produziert und anschließend in die Sowjetunion geliefert. Dort wurde es zu kernwaffenfähigem Material angereichert. Rund um die „Wismut“ entstand unter sowjetischer Regie ein Staat im Staate, bis 1990 abgeschottet von der Öffentlichkeit.

Dr. Gerhard Barkleit wertete gemeinsam mit deutschen und sowjetischen Historikern bislang unzugängliche bzw. noch nicht genutzte Quellenbestände in russischen Archiven aus. In seinem Vortrag wird er seine neuesten Forschungsergebnisse anhand von Bildern und Dokumenten präsentieren.  Dr. Barkleit bezeichnet den Uranabbau in der DDR als gigantischen Zuschussbetrieb, der seinen Teil zum wirtschaftlichen Ruin der DDR beitrug. Noch verheerender waren die Schäden durch das radioaktive Material für Mensch und Umwelt. Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung aus Breitenbrunn und Umgebung arbeitete im Uran-Bergbau, weshalb großes öffentliches Interesse am Thema besteht.

Wir laden Sie herzlich zu Vortrag und Gespräch mit dem Wissenschaftshistoriker und Diplomphysiker Dr. Gerhard Barkleit ein.

Donnerstag, 13. Juni 2013, 19:30 Uhr

„Rekonstruktion des Dreibrüderschachtes“

Dipl.-Geol. Stephan Bachmann, G.U.B. Ingenieur AG/Förderverein Dreibrüder-Schacht e.V.
120. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Das Sächsische Oberbergamt plant für Ende des laufenden Jahres den Sanierungsbeginn des Dreibrüderschachtes. Der Schacht soll künftig als Zugang für Kontroll- und Unterhaltungsarbeiten des Rothschönberger Stolln im südlichen Freiberger/Brander Revier dienen. „Der Dreibrüderschacht ist dafür der optimale Standort. Die Sanierungsziele und die Ziele des Fördervereins als Eigentümer lassen sich gut vereinbaren“ so Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer. 

Das Projekt sieht den Ausbau des 280 Meter tiefen Schachtes durch Einbau von Fahrten und einer Winde vor, die auch den Transport von Booten und Material bis zum Rothschönberger Stolln ermöglicht. Die Sanierung über Tage erfolgt unter Denkmalschutzbelangen. Die Eingriffe in das Gebäudeensemble bleiben geringfügig.

Herr Dipl.-Geologe Stephan Bachmann vom für die Planung beauftragten Ingenieurbüro G.U.B. Ingenieur AG präsentiert das Projekt am 13. Juni 2013 um 19.30 Uhr im Vortragssaal der terra mineralia.

Mittwoch, 5. Juni 2013, 19:00 Uhr

"Ingenieure ohne Grenzen, Freiberg- Kenia und wieder zurück"

Dipl.-Ing. Michael Hoyer, Ingenieure ohne Grenzen e.V./RG Freiberg
Vortragssaal der terra mineralia, Eintritt frei

Eine ausreichende medizinische Versorgung ist vor allem in den ländlichen Regionen Kenias nur selten gegeben. Gerade die Bevölkerung in den stark landwirtschaftlich geprägten Gebieten des Landes hat so gut wie keinen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung. Nach Angaben der World Health Organization beträgt das Verhältnis von Ärzten zu Patienten in Kenia gerade einmal 2,2 : 10.000 (Stand 2012). Um einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung der medizinischen Versorgung und zur Erhöhung der Lebensqualität der Menschen vor Ort zu leisten, unterstützt die Regionalgruppe Freiberg des Ingenieure ohne Grenzen e.V. den Bau einer Krankenstation in Chwele / Western Kenia. In der Regionalgruppe Freiberg kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammen, um gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Die Aufgaben sind, einfache aber nachhaltige und wirkungsvolle Konzepte für die Versorgung der Krankenstation mit Strom und Wasser auszuarbeiten sowie Lösungen für die Sanitärver- und Abfallentsorgung zu entwickeln. Nach der erfolgreich abgeschlossenen Erkundung der Situation vor Ort wird Herr Dipl.-Ingenieur Michael Hoyer über die gewonnenen Erkenntnisse und Eindrücke während seiner Keniareise sowie über den aktuellen Stand des Projektes berichten. Weiterhin werden Möglichkeiten der Beteiligung an der Arbeit des Ingenieure ohne Grenzen e.V. in Freiberg vorgestellt.

Donnerstag, 23. Mai 2013, 19:30 Uhr

„Pöhla – Ein neues Rohstoffprojekt im Erzgebirge“

Dr. Horst Richter, Saxony Minerals & Exploration AG Halsbrücke
119. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal, Eintritt frei

Die sächsischen Erz- und Spatvorkommen sind in den letzten Jahren wieder auf das Interesse der Bergbau- und Rohstoffwirtschaft gestoßen. Inländische und ausländische Unternehmen erkunden verschiedene Vorkommen auf-grund international anerkannter Standards oder haben mit der Vorbereitung von Gewinnungsarbeiten begonnen.

Die Saxony Minerals & Exploration AG Halsbrücke bereitet derzeit die Gewinnung von Zinn, Wolfram und anderen Begleitmineralien im Raum Pöhla/Westerzgebirge vor. Zum Vorhaben hat das Sächsische Oberbergamt im Jahr 2012 eine bergrechtliche Bewilligung erteilt. Für die nächsten Monate plant das Unternehmen Bohrungen zur Feinerkundung der Lagerstätte.

Herr Dr. Horst Richter, u. a. Vorstandsvorsitzender des Geokompetenzzentrums Freiberg e.V. und Seniorchef der renommierten G.E.O.S. Ingenieursgesellschaft Freiberg GmbH präsentiert das Vorhaben am 23. Mai 2013 um 19.30 Uhr im Vortragssaal der terra mineralia.

Donnerstag, 18. April 2013, 19:30 Uhr

„Untersuchungen zur mittelalterlichen Bergrechts- und Siedlungsentwicklung im sächsischen Erzgebirge“

Lena Asrih, M.A., Deutsches Bergbaumuseum Bochum und Ruhr-Universität Bochum, Graduiertenschule “Rohstoffe, Innovation und Technologie alter Kulturen”

118. Freiberger Kolloquium, Achtung: anderer Veranstaltungsort: Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6, Eintrit frei.

Im Rahmen der vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum und der Ruhr-Universität Bochum initiierten Leibniz-Graduiertenschule „Rohstoffe, Innovation und Technologie alter Kulturen“ (RITaK) widmet sich die Doktorandin Lena Asrih der historischen Überlieferung zum mittelalterlichen Bergrecht und zur Besiedlung des Erzgebirges.
Der Vortrag wird einen Einblick in das Gesamtprojekt sowie in die Forschungsgeschichte zum Bergrecht, im Besonderen in die Entwicklung des Bergrechts der Region um Freiberg bieten. In Freiberg und Umgebung sind unzählige Bergbauspuren zu sehen, die zum Teil auch vom legendären mittelalterlichen Freiberger Silberbergbau stammen. Mithilfe dieser Spuren, aber besonders mithilfe der bis heute erhaltenen Schriftdokumente wird erforscht, welche rechtlichen Bedingungen beim Abbau der wertvollen Rohstoffe gegolten haben. Denn so ungeregelt uns die Abbauspuren heute auch erscheinen mögen, viele Punkte – natürliche Gegebenheiten wie auch menschliche Möglichkeiten und Bedürfnisse – spielten bei der Anlage von Schächten und Stolln eine Rolle.

Donnerstag, 21. März 2013, 19:30 Uhr

"Erkennung und Aufschluss unkonventioneller Erdgaslagerstätten"

Prof. Dr. Mohammed Amro, TU Bergakademie Freiberg

117. Freiberger Kolloquium, Achtung: anderer Veranstaltungsort: Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6, Eintritt frei.

Auf Grund des weltweit wachsenden Bedarfs an Erdöl und Erdgas werden immer neue Felder und Lagerstätten erschlossen.

Nach den geologischen Kartierungen, geophysikalischen Vermessungen und Erkundungsbohrungen zur Feststellung der Schichtenfolge werden erste Aufschluss-bohrungen angesetzt. Während des Bohrens werden bestimmte Untersuchungen durchgeführt, um stratigraphische, sedimentologische und petrophysikalische Auswertungen der Lagerstätte zu ermöglichen. Basierend auf diesen Untersuchungen wird die Lagerstätte als konventionell bzw. unkonventionell bezeichnet. Bei den unkonventionellen Gasvorkommen handelt es sich um Lagerstätten, bei denen die Förderbedingungen aufgrund der geologischen Gegebenheiten erheblich komplexer und schwieriger als bei konventionellen Lagerstätten sind. Bei solchen Lagerstätten kann das Erdgas nicht mit Hilfe der herkömmlichen Fördertechniken gewonnen werden. Die Abgrenzung zwischen konventionellen und unkonventionellen Gas-vorkommen wird international durch die Durchlässigkeit des Gesteins definiert.

Aufgrund der geologischen Bedingungen wird vermutet, dass auf nahezu allen Kontinenten bedeutende Mengen an unkonventionellen Erdgaslagerstätten, so in Europa unter anderem in Polen, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, existieren. Die größten unkonventionellen Gasfelder sollen aber in China und den USA liegen.

Technologische Fortschritte und konstant hohe Energiepreise der letzten Jahre machen unkonventionelle Lagerstätten wirtschaftlich zunehmend attraktiver. Diese Technik ist mit einem hohen Planungsaufwand verbunden.

Das Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten unterscheidet sich in der Zusammensetzung nicht von dem Erdgas aus konventionellen Lagerstätten und besteht in erster Linie aus Methan.

In diesem Vortrag werden die Arten der unkonventionellen Gasvorkommen und die Fördertechniken erläutert, die zur Verbesserung der Durchlässigkeit und damit der Produktivität angewendet werden.

Donnerstag, 7. Februar 2013, 19:30 Uhr

"PhytoGerm - Germanium-Gewinnung aus Biomasse"

Prof. Dr. Hermann Heilmeier, TU Bergakademie Freiberg

116. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal der terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Wie man mit Pflanzen Germanium aus dem Boden gewinnt

Prof. Hermann Heilmeier vom Institut für Biowissenschaften der TU Bergakademie Freiberg arbeitet gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Institut für Analytische Chemie und vom Institut für Technische Chemie der Bergakademie sowie mit Firmen-Fachkollegen an einem Verfahren, um Germanium aus Pflanzen zu gewinnen. Am Donnerstag, dem 7. Februar 2013, wird Prof. Heilmeier um 19.30 Uhr im 116. Freiberger Kolloquium im Vortragssaal der terra mineralia in Schloss Freudenstein davon berichten.

Der Forschungszweig heißt "Phytomining", sinngemäß also "Bergbau durch Pflanzen". Genutzt wird dabei die Fähigkeit von Pflanzen, das im Boden in geringer Konzentration vorkommende chemische Element Germanium aufzunehmen und in der eigenen Biomasse anzureichern. Zur Germaniumgewinnung sollen Gärreste der Biogasproduktion verwendet werden. Bakterien trennen das Germanium von den übrigen Stoffen.

Die Wissenschaftler stehen mit ihrem Projekt derzeit noch am Anfang. Ein erstes Ziel ist es, die am besten geeigneten Pflanzenarten zu finden. Untersucht wird außerdem, wie genau die Pflanzen das Germanium anreichern.

Germanium wird zur Herstellung von Lichtleitkabeln, in der Hochfrequenztechnik, zur Herstellung von Strahlendetektoren, und in der Optik eingesetzt. In Europa wird es nicht abgebaut. 70 Prozent der Weltjahresproduktion geschieht in China. Experten erwarten für den von Clemens Winkler im Jahr 1886 in Freiberg entdeckten Wertstoff einen drastischen Preisanstieg in den kommenden Jahrzehnten. Unter Finanz-experten gilt Germanium als sichere Geldanlage.

Donnerstag, 31. Januar, 19:30 Uhr

"Buchvorstellung und Vortrag: Die Erdgeschichte des Erzgebirges - geologische Abenteuer zwischen Erdmantel und Bodenprofil"

Dr. Ulrich Sebastian, Freiberg

Vortragssaal der terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei

Das Erzgebirge ist in geologischer Hinsicht eine der faszinierendsten Regionen Europas. Auf drei Vierteln seiner Fläche stehen metamorphe Gesteine an. Über Jahrhunderte standen diese wissenschaftlich im Schatten der ökonomisch bedeutenden Erzlagerstätten. Allerdings lässt sich aus ihnen die komplexe und spannende Entstehungsgeschichte des Gebirges ableiten. Wo man auf den ersten Blick nichts als monotone Gneise und Glimmerschiefer sieht, findet man auf den zweiten Blick Zeugen der Kollision und Subduktion von Lithosphärenplatten, Reste von Unterer Erdkruste und Oberem Erdmantel und … Diamanten!

In diesem Buch wird die geologische Geschichte des Erzgebirges und die ihrer Enträtselung erzählt. Der Bogen spannt sich von Prozessen am Kontinentalrand des Gondwanakontinents in der Urzeit der Erde über die variszische Gebirgsbildung mit Metamorphose und Granitschmelze, die Bildung der berühmten Erze, die Ablagerung der Deckgebirgsschichten und den Vulkanismus der Erdneuzeit bis hin zur Bildung der Böden in der Gegenwart.

Die Literatur zu all diesen Themen ist sehr speziell, und man findet sie nur verstreut in verschiedensten Fachzeitschriften. Ulrich Sebastian bündelt hier zum ersten Mal alte und vor allem moderne Ideen über die Geologie und die erdgeschichtliche Entwicklung des Erzgebirges. Durch populäre Erklärungen und kurze Einschübe von Basiswissen vermittelt er die komplizierte Geologie des Erzgebirges neben Fachwissenschaftlern einer breiten geologisch interessierten Öffentlichkeit.

In Dr. Ulrich Sebastian wurde die Begeisterung für das Erzgebirge während seiner Promotion geweckt. Er lehrt heute Geowissenschaften an der Fachschule für Technik in Freiberg/Sachsen, wo Geologie- und Bohrtechniker – geschult an Gesteinen des Erzgebirges – ausgebildet werden.

Donnerstag, 17. Januar 2013, 19:30 Uhr

Das Leipziger Neuseenland zwischen aktivem Tagebau und "Landschaften nach der Kohle"

Prof. Dr. habil. Andreas Berkner, Regionaler Planungsverband Westsachsen und Universität Leipzig, Institut für Geographie

115. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Der Cospudener und der Markkleeberger See sind beliebte Naherholungsgebiete in Leipzigs Süden. Es sind Beispiele für erfolgreich rekultivierte Tagebauflächen. "Im europäischen, vielleicht sogar im Weltmaßstab, existiert kaum eine Landschaft, die in vergleichsweise kurzen Zeiträumen einem derart intensiven Wandel unterlag wie das Mitteldeutsche Revier", berichtet Prof. Berkner. Die tiefgreifende Veränderung der dortigen Landschaften begann bereits vor über 600 Jahren mit dem Kohleabbau. Die Kohle und ihre Nutzung war die Triebkraft für Epoche machende Umwälzungen. Genutzt wurde sie unter anderem für die Brikettierung, Verschwelung und Verstromung - zur jeweiligen Zeit ihrer Erfindung allesamt Hochtechnologien und maßgebliche Faktoren für Siedlungsentwicklung, Beschäftigung und Industrialisierung.

Die negativen Folgen der Kohlegewinnung und -nutzung waren Landschaftsveränderungen, Umsiedlungen, massive Umweltbelastungen durch Rauchgase, Abwassereinleitungen und ungeordnete Ablagerungen. Hinzu kamen Abbauplanungen, die etwa in der Dübener Heide bis ins 13. Jahrhundert reichen und mit gravierenden Entwicklungsrestriktionen verbunden waren. In der Folge wurde die Region Leipzig 1990 eher als "ökologische Katastrophenregion" denn als "Region der Zukunft" wahrgenommen.

Seit 1990 ist die Braunkohlenplanung als Bestandteil der Regionalplanung in Sachsen mit der Rekultivierung von Landschaften befasst. Bürger, Kommunen, Behörden, Bergbautreibende, Wissenschaftler und Verbände arbeiten gemeinsam an diesem Ziel, einen Imagewandel für die "Landschaft nach der Kohle" herbeizuführen. Bei der Sicherung von Naturschutzflächen, der Waldmehrung und beim Ausbau des touristischen Gewässerverbundes wurden bereits sichtbare Fortschritte erreicht.