Vergangene Vorträge 2011

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 24. November 2011, 19:00 Uhr

„Indien - nicht nur ein Mineralienparadies"

Buchvorstellung Berthold Ottens

Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt Euro, Studenten 1 Euro.

Indien galt als das Fundgebiet der größten Diamanten und war wegen der Juwelenschätze seiner Herrscher berühmt. In neuerer Zeit fanden die hervorragend kristallisierten Mineralien aus dem Basalt des Dekkan Trapp Eingang in die Sammlungen in aller Welt. Berthold Ottens, der das Land über fünfzig Mal bereiste und als Experte der indischen Mineralien gilt, hat nach seinem Buch über die Mineralien aus China ein neues umfassendes und mit Spannung erwartetes Buch über die Mineralien aus Indien geschrieben.

In diesem Werk stellen die Drusenmineralien aus dem Dekkan Trapp einen Schwerpunkt dar. Zwar werden je Fundstelle die dort vorkommenden Mineralien erwähnt, wichtige grundsätzliche Erläuterungen zu einzelnen Mineralarten erfolgen aber in den jeweiligen Mineral-kapiteln. Den Edelsteinen wurde der zweite große Bereich des Buches gewidmet. Neben einem wichtigen Kapitel über die Geschichte der Edelsteine in Indien und deren Rolle in der heutigen Zeit, erfolgte die weitere Darstellung in einem nach Gebieten untergliedertem Block sowie einer alpha-betisch geordneten Beschreibung. Für die bedeutenden Mineralien, die nicht zu den Kapiteln Dekkan oder Edelsteine gehören, wurde ein eigener Bereich geschaffen, in dem unter anderem die Bergkristalle aus dem Himalaya und andere seltene Mineralarten beschrieben werden. Neben den rein mineralogisch orientierten Abschnitten erlauben Kapitel über Land und Leute sowie Reisen in Indien interessante Einblicke in das vielfältige Land. Die Ausgabe umfasst 400 Seiten mit mehr als 1000 exzellenten Fotos und Karten. Berthold Ottens stellt sein zweites Werk aus der Asienreihe am Donnerstag, den 24. November in der terra mineralia vor.

Donnerstag, 10. November 2011, 19:30 Uhr

"Der Mount St. Helens im Nordwesten der USA - 30 Jahre danach"

Dipl.-Geol. Peter Suhr, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Freiberg

105. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Am 18. Mai 1980 explodierte der lange Zeit ruhige Mt. St. Helens in der Cascade Range im Westen der USA (Bundesstaat Washington). Der Eruption vorhergehende Anzeichen hatten zu einer weiträumigen Evakuierung des gefährdeten Gebietes geführt, so dass die Zahl der Todesopfer relativ gering geblieben ist.

Die einmalig dokumentierte Eruption und die danach erfolgte Veränderungen des Gebietes erlauben einen guten Einblick in die Vorgänge und Resultate großer Vulkaneruptionen. Im Jahr 2004 kam es zu weiteren, nicht so katastrophalen vulkanischen Ereignissen am Mt. St. Helens. Zwei Besuche im Abstand von etwa 20 und 30 Jahren nach dem Ereignis zeigten entsprechende Veränderungen des Landschaftsbildes. Auch weiterhin ist der Vulkan aktiv und durch die hervorragende Erschließung des Gebietes durch touristische Einrichtungen (Visitor Centers) ist es sehr interessant und lehrreich den Mt.St. Helens zu besuchen.

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 19:30 Uhr

"Die Spatlagerstätte Niederschlag"

Prof. Dr. Wolfgang Schilka, Geschäftsführer EFS GmbH, Halsbrücke

104. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei

Ob Flußspat, Schwerspat oder Kupfer: Nur zwei Jahre sind seit Beginn der weltweiten Finanzkrise vergangen, doch inzwischen scheint der Bedarf an Rohstoffen wieder ungebrochen. Die hohen Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt sorgen dafür, dass sich der klassische Bergbau auch in Deutschland wieder lohnt.

Als rohstoffreichstes deutsches Bundesland hat Sachsen Ende Oktober 2010 eine Premiere eingeläutet: Im kleinen erzgebirgischen Bergort Niederschlag bei Oberwiesenthal eröffnete Sachsens Finanzminister Georg Unland, der dem Bergbau und seinen Mineralien seit Jahrzehnten privat eng verbunden ist, mit einer symbolischen Sprengung eine neue Flußspatgrube. Die Lagerstätte ist bekannt für ihren Reichtum an seltenen Kupfermineralien (→LAPIS 4/1994), wie sie ganz ähnlich auch in der Grube Clara im Schwarzwald vorkommen. Der Vortrieb der kilometerlangen Zufahrtsrampe zum Fluorit/Baryt-Erzgang des neuen Bergbaues Niederschlag soll in anderthalb Jahren beendet sein und 12 Millionen Euro kosten. Über die 4½ x 4½ m weite Rampe können Lastwagen ab 2014 jährlich 135.000 Tonnen Flußspat und Baryt zutage bringen, dazu Kupfer/Blei-Sulfiderze; das gesamte Fördergut wird die Nickelhütte Aue aufbereiten.

Die Erzgebirgische Fluss- und Schwerspatcompagnie (EFS) Geos GmbH – eine Kooperation zwischen einem Freiberger Ingenieurbüro und der Nickelhütte Aue – hat bereits 18,5 Millionen Euro in das neue Bergbauprojekt investiert, das Flußspatreserven von rund drei Millionen Tonnen ausweist. EFS-Chef Professor Wolfgang Schilka zum Kabeljournal KJ-Online: „Der Flußspat ist unser Hauptprodukt. Dieser wird ganz stark in der Metallurgie und der chemischen Industrie als Säurespat eingesetzt. Solche hochwertigen Produkte wie Gore-Tex und Teflon, die wir heute aus unserem Leben nicht mehr wegdenken können, werden einmal aus diesem Flußspat entstehen.“ Das zweite Produkt, der Schwerspat, dient vor allem als Füllstoff bei der Papierproduktion und als Barium-Lieferant in der chemischen Industrie. „Wir liefern den Beweis, dass wir teure Rohstoffe nicht zu hohen Preisen auf den Supermärkten der Welt kaufen müssen, sondern zu kostendeckenden Preisen im eigenen Land fördern können“, sagte der 58 Jahre alte Professor dem Sender ntv. In den Lagerstätten auf deutscher und tschechischer Seite vermutet man Fluß- und Schwerspat im Wert von 680 Millionen Euro. Die Vorräte in den Lagerstätten reichen laut EFS Geos für die nächsten 45 Jahre. Das neue Bergwerk samt Aufbereitung soll in den nächsten Jahren 35-40 Bergleuten und Technikern Arbeit geben. Mitte Dezember war der Zufahrtsstollen bereits 30 m aufgefahren, doch werden notwendige Zementarbeiten seitdem durch eisige Temperaturen bis unter –15°C behindert.
Das anfallende taube Gestein soll vorerst in benachbarte alte Steinbrüche gebracht werden – große Kegelhalden wie einst zu „Wismut“-Zeiten wird es nicht mehr geben. Neben den Preisen für Fluorit hat sich auch der Zinnpreis fast verdoppelt, nachdem enorme Regenfälle im Zuge einer ungewöhnlich starken La Niña-Abkühlung im Pazifik seit Jahresmitte 2010 auch zu Produktionsausfällen im „Zinnland“ Indonesien führten, dem weltgrößten Produzenten.
Dies könnte mittelfristig den 1991 stillgelegten sächsischen Zinn/Wolfram-Gruben in Altenberg, Pöhla und Ehrenfriedersdorf zu neuer Blüte verhelfen. Die um gut 40% gestiegenen Kupferpreise machen auch den Abbau der Kupferschiefer-Vorkommen in der Lausitz – etwa rund um Spremberg – wieder attraktiv (die großen Lagerstätten jenseits der polnischen Grenze fördern bereits).

Donnerstag, 22. September 2011, 19:30 Uhr

Die Revierwasserlaufanstalt Freiberg - ein „Oldtimer" der Wasserwirtschaft in seiner heutigen Bedeutung

Rico Werzner, Betriebsingenieur Landestalsperren-verwaltung des Freistaates Sachsen, Betrieb Freiberger Mulde/Zschopau

103. Freiberger Kolloquium, im Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Vorläufer der seit Mitte des 19. Jahrhunderts bezeichneten „Revierwasserversorgung" reichen in das 16. Jahrhundert zurück. Die Zufuhr von hinreichenden Wassermengen in die immer tiefer werdenden Bergwerksanlagen gehörte inzwischen zu den zwingenden Voraussetzungen, um Grubenwässer heben und Erze fördern oder transportieren zu können. Aus diesem Grund war auf kurfürstlichen Befehl 1557 Martin Planer zum Bergmeister nach Freiberg berufen worden. Weil das Wasser in der Freiberger Umgebung nicht mehr ausreichte, konzipierte er die Anlage von Kunstgräben und Kunstteichen, um Aufschlagwasser aus dem höheren Erzgebirge heranzuschaffen. Sie stellen eine für die Zeit bemerkenswerte markscheiderischen und bauliche Leistung dar. Bis in das 19. Jahrhundert reichte der planmäßige Ausbau des aus Kunstgräben, Röschen und Kunstteichen bestehenden Systems, das 1851 als „Revier-Wasserlaufs-Anstalt" mit weiteren bergbaulichen Einrichtungen in das Gesamteigentum des Freiberger Reviers überging.

Rico Werzner, Betriebsingenieur für Stauanlagen im Betrieb Freiberger Mulde/Zschopau der Landestalsperren-verwaltung, gibt einen Einblick in die wechselvolle Geschichte der weitläufigen Anlagen. Er berichtet über die Nachnutzung nach Einstellung des Bergbaus und die Einrichtung der ersten Kavernenkraftwerke 1914. Er gibt einen Überblick zu gegenwärtigen Pflege- und Instand-haltungsarbeiten, um dieses einzigartige technische Denkmal des Bergbaus und der Wasserwirtschaft für die Montanregion Erzgebirge zu erhalten und es für die heutige Trink- und Brauchwasserversorgung zu nutzen.

Donnerstag, 7. Juli 2011, 19:30 Uhr

Johann Sebastian Bach- "Anteilseigner eines Silberbergwerks"

Eberhard Spree, Musiker des Gewandhausorchesters zu Leipzig

Senatssaal der TU Bergakademie Freiberg, Akademiestraße 6, Eintritt: 3,00 €, Studenten: 1,00 €

„Ein Kux, genannt Ursula Erbstolln, zu Klein Voigtsberg an Werthe...60 Taler" - so formulierte man im Nachlass-verzeichnis von Johann Sebastian Bach, der am 28. Juli 1750 verstorben war, den Fakt, dass der große Komponist und Thomaskantor einen kleinen Anteil am Ursula-Erbstollen in der Nähe von Kleinvoigtsberg im Werte von 60 Talern besaß. Zu dieser Thematik gab es bisher noch keine Forschungen, da bis auf die Erwähnung im Bachschen Nachlass keine weiterführenden Dokumente bekannt waren.

Mit Unterstützung des Geologen Jens Kugler fand der Gewandhausmusiker Eberhard Spree vor einigen Monaten im Bergarchiv Freiberg 38 Zechenregister, in denen 44 namentliche Erwähnungen Johann Sebastian Bachs zu finden sind. Mit Hilfe dieser Schriftstücke lassen sich etliche Rückschlüsse über Bachs Engagement im sächsischen Silberbergbau ziehen. Sie sind eine äußerst wertvolle Ergänzung zu den wenigen Bach-Dokumenten, die Auskunft über Bachs Handlungsweisen in außermusikalischen und außerfamiliären Bereichen geben.

Muss die Frage auch offen bleiben, ob Johann Sebastian Bach jemals in Freiberg weilte, so wird durch den Vortrag doch deutlich werden, dass er eine besondere Beziehung zu dieser Gegend hatte.

Donnerstag, 9. Juni 2011, 19:30 Uhr

"Natursteingewinnung vor 100 Jahren in Ton und Bild"

Hilke Domsch, Geokopmetenzzentrum Freiberg e.V.

102. Freiberger Kolloquium, Großer Hörsaal Mineralogie der TU Bergakademie, Brennhausgasse 14, 1. OG, Eintritt frei.

Man kann sich dem Thema Stein auf vielerlei Art nähern: naturwissenschaftlich; aus Sicht von Kunst und Kultur; von Seiten der Baugeschichte und -verwendung; anhand der Preise oder Bearbeitungsfähigkeit. Je nach Blickrichtung werden unterschiedliche „Ecken und Kanten" beleuchtet,
Wissen vermittelt sowie verschiedene Stimmungen und Meinungen erzeugt.

Jede Betrachtungsweise hat ihre Berechtigung und Notwendigkeit zu seiner Zeit und gegenüber seinem Publikum. Oft genug steht aber vor allem das Stein-Ergebnis an sich im Vordergrund. Abbau und Bearbeitung öffnen sich dem interessierten Besucher nur bei einzelnen Exkursionen
oder anhand der Spuren in Stein in aufgelassen Brüchen in der Region. Diesem Thema widmet sich der Vortrag. Anhand der Abbaumethoden in Granit und Sandstein wird die schwere Arbeit eines Steinarbeiters Anfang des 20. Jahrhunderts näher beleuchtet, die Vielzahl an Berufs-gruppen vorgestellt und ein Eindruck vermittelt, dass das Gesicht unserer heutigen Kulturlandschaft im wahrsten Sinne des Wortes „von Hand geprägt wurde". Um einen Original-Eindruck der Bedingungen vor Ort zu erzeugen, kommen überwiegend historische Dokumente und Filmausschnitte zu Wort.

Donnerstag, 12. Mai 2011, 19:30 Uhr

"Perspektiven für den aktuellen sächsischen Bergbau vor dem Hintergrund der Weltwirtschaft"

Prof. Reinhard Schmidt, Oberberghauptmann

101. Freiberger Kolloquium, im Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

„Alles kommt vom Bergwerk her", dieser Spruch hat von jeher das Leben der Menschen im Erzgebirge geprägt. Seit dem 12. Jahrhundert hat der Bergbau den Menschen hier Arbeit und Brot gegeben.

Heute sind Bergbau und Rohstoffwirtschaft stark international vernetzt und dienen vielfältigen öffentlichen und privaten Interessen. Der sächsische Bergbau erfüllt dabei zuverlässig und in der öffentlichen Wahrnehmung selbstverständlich einige wichtige Aufgaben. Die sächsischen Braunkohlenbetriebe stellen für einige Zeit noch den wichtigsten heimischen Energierohstoff subventionsfrei zur Verfügung. Konsequent arbeiten sie an der geminderten Umweltbeeinträchtigung durch Immissionen. Etwa 400 Betriebe der Steine- und Erdengewinnung versorgen uns mit Massenbaurohstoffen, ohne die es keine Gebäude und Verkehrswege gäbe. Mit der Erkundung und Gewinnung von Erz- und Spatlagerstätten schlägt der sächsische Bergbau ein neues Kapitel auf. Wirtschaft und Wissenschaft haben hier gemeinsam die Chance, für die kleinen polymetallischen Vorkommen von der Lagerstättenerkundung bis zur Herstellung marktfähiger Produkte ganze Wertschöpfungsketten zu entwickeln. Das Wissen um diese Wertschöpfungsketten erlangt weltweit immer größere Bedeutung, wenn die großen ergiebigen Lagerstätten zur Neige gehen.

Donnerstag, 31. März 2011, 19:30 Uhr

"Ein Blick aus dem Weltraum - Erdbeobachtung mit Satelli-
ten für Umwelt und Sicherheit"

Dipl.-Geophys. Gunter Schreier, Erdbeobachtungszentrum (EOC), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), Oberpfaffenhofen

100. Freiberger Kolloquium, Anderer Veranstaltungsort: Alte Mensa, Peters-straße 5, Eintritt frei

Durch neue Internetportale wie GoogleEarth ist die Sicht aus dem Weltraum auf die Erde ein Allgemeingut geworden. Doch neben der anschaulichen Darstellung der Oberfläche der Erde bietet die Erdbeobachtung mit Satelliten ein weites Spektrum von Anwendungen zur Beobachtung von Veränderungen von Klima, Umwelt und Landnutzung, sowie zur genauen und schnellen Kartierung von Naturkatastrophen und Vorgängen, die die Sicherheit der Menschen bedrohen. Vielfältig sind auch die physikalischen Mess- und Abbildungsmethoden, die große Bereiche des elektromagnetischen Spektrums, von den Radarwellen bis über das sichtbare Licht hinaus, nutzen. Die Satellitenmissionen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die internationalen Projekte, in denen das DLR diese Daten aus dem Weltall nutzt, verdeutlichen das Potential dieser Weltraumtechnologie.

Diese Technologien und Anwendungen sind Teil der europäischen Weltraumstrategie und eines speziellen Programms (GMES), welches Erdbeobachtungssatelliten für Umwelt und Sicherheit zum Nutzen der europäischen Bürger und Schutz unserer Umwelt einsetzen wird.

Donnerstag, 10. März 2011, 19:30 Uhr

"Alexander von Humboldt als Sammler"

Dr. Ferdinand Damaschun, Generaldirketor Museum für Naturkunde Berlin

99. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Das Leben kaum eines anderen Wissenschaftlers ist so gut dokumentiert wie das von Alexander von Humboldt (1769-1859).
Schon zu Lebzeiten war er eine Legende und der Führer der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung Simón Bolívar (1783-1830) sagte über ihn: „Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“ Trotz der umfangreichen Beschäftigung mit Humboldt ist ein Aspekt bisher wenig beachtet worden: seine mineralogischen Aufsammlungen. Er selbst hat sich im „Kosmos“ zu der Bedeutung des Sammelns folgendermaßen geäußert: „Da Reisende nur immer die Träger des unvollständigen Wissens ihrer Zeit sind, und ihren Beobachtungen viele der leitenden Ideen, d. h. die Unterscheidungsmerkmale fehlen, welche die Früchte eines fortschreitenden Wissens sind; so bleiben dem materiell Gesammelten und geographisch Geordneten fast allein ein langdauernder Werth.“

An Hand der im Museum für Naturkunde Berlin vorhandenen Sammlungen Alexander von Humboldts wird sein Leben, beginnend mit seiner Studienzeit in Freiberg über seine großen Reisen nach Südamerika und Russland bis hin zu seinen letzten Lebensjahren in Berlin, erzählt.

Donnerstag, 3. Februar 2011, 19:30 Uhr

"Im Angesicht der Katastrophe. Der Einfahrer Moritz Wilhelm und das Unglück auf der Steinkohlenzeche Radbod in Hamm im Jahr 1908"

Dr. Olaf Schmidt-Rutsch LWL-Industriemuseum, Dortmund

98. Freiberger Kolloquium im Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

In der Nacht vom 12. November 1908 forderte eine Schlagwetterexplosion auf der Zeche Radbod bei Hamm 350 Tote. Die nachfolgenden Grubenbrände erfassten den gesamten Untertage-Betrieb und konnten erste unter Kontrolle gebracht werden, als die gesamte Zeche unter Wasser gesetzt wurde.

Bei den Aufräum- und Bergungsarbeiten im darauffolgenden Jahr schrieb der Königliche Einfahrer Moritz Wilhelm seine Feststellungen zu den Ursachen der Katastrophe auf und ergänzte sie mit Zeichnungen zur Fundsituation der in der Zeche geborgenen Toten. Diese privaten Aufzeichnungen stellen heute eine einzigartige Quelle zum bis dahin folgenschwersten Unglück im Ruhrbergbau dar. 100 Jahre nach der Katatstrophe haben Olaf Schmidt-Rutsch und Ingrid Telsemeyer die Berichte und Zeichnungen erstmals im Druck und als interaktive CD veröffentlicht. Olaf Schmidt-Rutsch, Wissenschaftlicher Referent am LWL-Industriemuseum Dortmund, wird in seinem Vortrag die Ursachen und den Verlauf des Unglücks vorstellen und insbesondere auf die Einfahrerberichte Moritz Wilhelms sowie auf die Quellenpublikation eingehen.

Donnerstag und Freitag, 13. und 14. Januar 2011, 19:30 Uhr

"Gotthard-Basistunnel - eine bautechnische Herausforderung"

Dipl.-Ing. Jürgen Schellig, Pöyry Infra AG, Zürich

97. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia im Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Neue Pioniere: Chefbauleiter Vortrieb des modernsten Hochgeschwindigkeitstunnels der Welt zu Gast beim Freiberger Kolloquium. Am 15. Oktober wurde im Gotthard-Basistunnel, rund 2500 Meter unter dem Piz Vatgira im Gotthard-Massiv in der Schweiz, die Röhre für den längsten Eisenbahntunnel durchstoßen. Mit dabei bei der bergmännischen Meisterleistung war Jürgen Schellig aus Grünhainichen im Erzgebirge, Absolvent der TU Bergakademie Freiberg. Am 13. und 14. Januar, 19.30 Uhr, spricht er auf dem 97. Freiberger Kolloquium im Schloss Freudenstein. Als Chefbauleiter des Vortriebs war Jürgen Schellig unter anderem für die geologischen Voruntersuchungen des modernsten doppelröhrigen Hochgeschwindigkeitstunnels weltweit zuständig. „Der Gotthard wird der längste Eisenbahntunnel der Welt, hier wird in großen Tiefen unter extremen geologischen Bedingungen ein Tunnel gebaut, da dabei zu sein ist eine Herausforderung. Und es macht natürlich auch stolz, ein Stück erzgebirgische Tradition exportieren zu können", erzählt Jürgen Schellig. Seit 2004 arbeitet er am Gotthard für die Pöyry Infra AG, ein finnisches Ingenieurunternehmen. Auf seinem Vortrag am 13. und 14. Januar 2011, 19.30 Uhr im Vortragssaal des Schlosses Freudenstein wird er über die Herausforderungen des Tunnelbergbaus und den Bauabschnitt Sedrun sprechen. 1976 hatte Schellig sein Studium an der Sektion Geotechnik/Bergbau, Fachrichtung Tiefbohrtechnik, abgeschlossen. Der gebürtige Karl-Marx-Städter hatte danach zuerst im Schachtbau Nordhausen und dann bis zur Wende bei der Wismut AG in Aue gearbeitet. Von 1990 bis 2004 war er bei dem amerikanischen Erdöl-Dienstleister und Tiefbohrtechnik-Ausrüster Baker Hughes als Prokurist in der Bergbauabteilung beschäftigt und hat unter anderem im schwedischen Kiruna im größten Eisenerzbergwerk der Welt mitgearbeitet. „Für mich war die Ausbildung in Freiberg entscheidend für meinen beruflichen Erfolg, angefangen von der Zeit bei der Wismut über die Arbeit bei Baker Hughes bis hin zum jetzigen Einsatz am Gotthardtunnel", sagt Schellig. „Die Praxisnähe des Studiums an der TU Bergakademie ist der entscheidende Vorteil, dazu kommen natürlich die Traditionen: Die Bergleute in der ganzen Welt, das ist schon ein besonderer Menschenschlag." Bis zum April ist nun am Gotthardtunnel der Durchschlag der zweiten Röhre geplant, dann sollen die zwei Vortriebe des zweiten Tunnels zusammentreffen, 2017 wird der längste Eisenbahntunnel der Welt eröffnet - und ein Freiberger Absolvent ist dabei.