Vergangene Vorträge 2010

Das „Freiberger Kolloquium“ ist eine Vortragsreihe des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; des Sächsischen Oberbergamtes; des Geokompe-tenzzentrum Freiberg e.V., des Sächsischen Staatsarchivs/Bergarchiv Freiberg; der TU Bergakademie Freiberg und der terra mineralia.

Donnerstag, 25. November 2010, 19:30 Uhr

"Blick in die Tiefe Sachsens - Erfolgsaussichten für ein geothermales Kraftwerk"

Prof. Dr. Steffen Wagner, Holger Schütz, TU Bergakademie Freiberg und Sascha Görne, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie Freiberg

96. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Der Freistaat Sachsen begann im Jahre 2008 mit zielgerichteten Arbeiten zur Entwicklung der Tiefengeothermie. Auf der Basis des geologischen Kenntnisstandes zu Temperatur und Gesteinseigenschaften für das Gesamtterritorium von Sachsen wurde ein Rahmenkonzept entwickelt, das auf die Nutzung der Granite und Gneise im tiefen Untergrund Sachsens zielt. Das Konzept beinhaltet in einer ersten Phase eine intensivierte geowissenschaftliche Erkundung von geeigneten Gebieten zur Errichtung eines Kraftwerkes zur Strom- und Wärmeerzeugung mittels Geothermie.

Die weltweit noch am Beginn ihrer wirtschaftlichen Nutzung stehende Tiefen- geothermie erfordert den gebündelten Einsatz des nationalen und internationalen know-how. Um die Entwicklung und Nutzung eines künstlichen Wärmetauschers in Sachsen in einer Tiefe bis zu 5 km realisieren zu können, wurde dazu im Herbst 2009 der nationale „Forschungsverbund Tiefengeothermie Sachsen" gegründet.

Das Projekt wird vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) unterstützt und vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) geleitet. Der TU Bergakademie Freiberg wurden dabei wesentliche Forschungsaufgaben übertragen.

Die Arbeiten, die im Rahmen dieses Forschungsverbundes für die Vorzugsgebiete durchgeführt wurden, richteten sich auf die Aufarbeitung der geologisch-tektonischen Informationen, den Aufbau von geologischen, geotechnischen und geothermischen Modellen, die einen Blick in die Tiefe Sachsens erlauben. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass es auch im Freistaat Sachsen möglich ist, Strom und Wärme aus dem Untergrund zu gewinnen.

Im Vortrag werden die bisher erreichten Arbeitsergebnisse des Forschungsverbundes vorgestellt und diskutiert.

Donnerstag, 21. Oktober 2010, 19:30 Uhr

"Lithium – Das neue Silber im Erzgebirge?"

Prof. Dr. Jens Gutzmer, PD Dr. Thomas Seifert, cand. M. Sc. Petya Atanasova, TU Bergakademie Freiberg

95. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Das Element Lithium ist in unserer Industriegesellschaft eines der wichtigsten „elektronischen Metalle“. Von großer Bedeutung sind seit einigen Jahren wieder aufladbare Lithiumbatterien. Fast alle Laptops und Handys sind mit solchen Lithium-Akkus ausgerüstet. Die nächste Generation der Lithium-Polymer- Batterien wird in zunehmendem Maße in der Automobilindustrie und anderen Industriezweigen eingeführt und sehr wahrscheinlich zu einer starken Zunahme des Lithiumbedarfs führen.

Zurzeit wird der Bedarf an Lithium durch den Abbau von ausgetrockneten Salzseen, den Salaren (87 %) und Lithium-Pegmatiten, also extrem grobkörnigen Gesteinen (13 %) gedeckt. Lithiumreiche Greisenerze wie sie z. B. für das Erzgebirge typisch sind, wurden bisher nicht für die Lithium-Produktion genutzt. Im Rahmen der Lithium-Initiative der TU BAF wurden im November 2009 und April 2010 drei Großproben in Form von lithiumreichen Greisenerzen in Zinnwald entnommen. Seitdem werden sie mit modernsten aufbereitungstechnischen, mineralogischen und geochemischen Verfahren auf ihre Verwendbarkeit als Lithium-Rohstoff und auf ihre Entstehung untersucht. Bei erfolgreichem Ausgang der Untersuchungsarbeiten könnte die Gewinnung des Elements Lithium im Erzgebirge aus dem neuen Rohstofftyp „Lithium- Greisen“ die Bedeutung des ehemaligen Silberbergbaus erlangen.

Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen, die am Teilprojekt „Lithium Erzgebirge“ beteiligt sind und ganz besonders Herrn Prof. Dr. W. Voigt (Initiator der Lithium-Initiative Freiberg) und den Kollegen der Bergsicherung Freital sowie des Schaubergwerkes Zinnwald.

Donnerstag, 23. September 2010, 19:30 Uhr

„Erdöl / Erdgas – Fluch oder Segen: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko – Wo ist das Erdöl verblieben?“

Prof. Dr. Mohammed Amro, TU Bergakademie Freiberg

94. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Erinnern wir uns: Drei Monate lang ist Im Golf von Mexiko Erdöl unkontrolliert ins Meer gelangt. Rund 500 000 Tonnen, ungefähr das 10–12fache der Menge, die bei der Ölkatastrophe des Tankers Exxon Valdez vor der Küste von Alaska im Jahre 1989 ausgetreten ist. Nachdem man endlich das Ölleck gestoppt hatte, begann die Suche nach den Ölteppichen im Meer. Laut amerikanischer und BP Meldungen wurden geringere Konzentrationen lokalisiert als erwartet. Nun stellt sich die Frage, wo ist das Öl geblieben, das nicht aufgefangen, verbrannt oder verdunstet ist?

Hier schließt der Vortrag von Prof. Amro an. Denn vom Moment der Freisetzung des Öls beginnen verschiedene Vorgänge zu wirken und führen dazu, große Teile des Öls von der Meeresoberfläche zu beseitigen. Der Freiberger Professor aus dem Institut für Bohrtechnik und Fluidbergbau beschreibt die unterschiedlichen Prozesse und kann eigene Erfahrungen aus dem Vergleich mit früheren Ölkatastrophen beisteuern. Im Anschluss ist er gern bereit, mit den Besuchern zu diskutieren.

Donnerstag, 5. August 2010, 19:30 Uhr

"Vom Gerstensaft und seinen Zutaten: Minerale im Bier"

Prof. Dr. Michael Eßlinger, Honorarprofessor der TU Bergakademie Freiberg

93. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Mineralstoffe kommen in Lebensmitteln und Getränken vor und steuern das Stoffwechselgeschehen des Menschen in allen Richtungen. Hopfen, Malz und Wasser tragen zu den im Bier bioverfügbaren Mineralen bei und ergänzen so den Mineralhaushalt auf gesunde und angenehme Art. Während der Bierbereitung entnimmt die Hefe der Bierwürze zwar einige Minerale für ihren eigenen Stoffwechsel, macht dafür aber das Bier im Gegenzug zum reinsten Lebensmittel mit der niedrigsten Schadstoffbelastung. Der Referent stellt mit dem Calciumoxalat („Bierstein“) das faszinierendste Mineral im Bier vor und verrät auch, welchem Mineral im Bier seitens der Medizin die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Donnerstag, 24. Juni 2010, 19:30 Uhr

"Spurlos verschwunden: Dörfer in Thüringen – Opfer des Uranabbaus"

Buchvorstellung von Annerose Kirchner, Gera

92. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

In den Jahren 1946 bis 1990 produzierte die SDAG Wismut 231 000 Tonnen Uran, gewonnen aus dem Abbau der reichhaltigen Lagerstätten in Sachsen und Thüringen. Intensiv wurden die Ressourcen ausgebeutet mit einem hohen Gefährdungspotential für Mensch und Umwelt. Es mussten Dörfer geräumt und ihre Bewohner umgesiedelt werden. In der Region rund um das ostthüringische Ronneburg betraf dies Dörfer wie Sorge, Katzendorf, Lichtenberg, Schmirchau, Gessen und Culmitzsch, die vor über 50 Jahren teilweise oder ganz verschwanden. Erstmals erinnert die Geraer Autorin Annerose Kirchner an das Schicksal dieser Dörfer. Sie begab sich auf Spurensuche und befragte Zeitzeugen, studierte Akten, alte Landkarten und wanderte den verschwundenen Dörfern nach. Die Autorin schlägt einen Bogen von der Vergangenheit bis zum gigantischen Sanierungsprogramm der unmittelbaren Gegenwart. „Spurlos verschwunden“ ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Bergbaugeschichte der DDR und nähert sich einem brisanten Kapitel lange verschwiegener Zeitgeschichte.

Annerose Kirchner: „Spurlos verschwunden. Dörfer in Thüringen – Opfer des Uranabbaus“. Ch. Links Verlag Berlin. 208 S., 57 Abbildungen, 14,90 Euro.

Donnerstag, 3. Juni 2010, 19:30 Uhr

"Wie sicher ist die Braunkohlesanierung in Sachsen? Eine Bestandsaufnahme nach dem Ereignis in Nachterstädt"

Bernd Sablotny, Oberbergamt Freiberg

91. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Die Öffentlichkeit verfolgt die Sanierungsarbeiten in den Braunkohlengebieten nach dem Nachterstädter Bergbauunglück mit großer Aufmerksamkeit. Das Sächsische Oberbergamt konnte nach dem Unglück frühzeitig Entwarnung für die sächsischen Teile des Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlenreviers geben. Dennoch sind bestimmte Tagebaurestseen durch nicht standsichere Bodenbereiche gefährdet. Ursachen dafür sind u. a. der Stand der Sanierung und der Anstieg des Grundwassers nach Einstellung der intensiven Braunkohlenförderung zu Beginn der 1990er Jahre.

Beide Aussagen sind nicht widersprüchlich. Sie bedürfen aber einer näheren Erläuterung.

Donnerstag, 27. Mai 2010, 19:30 Uhr

"Archäologie im hochmittelalterlichen Bergwerk in Dippoldiswalde"

Dr. Christiane Hemker, Landesamt für Archäologie, Dresden

90. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Nach Tagesbrüchen wurde im Jahr 2008 in Dippoldiswalde ein bislang unbekannter hochmittelalterlicher Bergbau entdeckt, der durch die erhaltenen organischen Funde auf den Zeitraum 1185/1300 datiert werden kann. Der Abbau erreichte eine Tiefe von über 26 Metern bei einer Ausdehnung von mehr als einem Kilometer. Das Landesamt für Archäologie führt derzeit die Sicherungsmaßnahmen begleitenden Untersuchungen durch. Es handelt sich um den nach Freiberg ältesten nachgewiesenen Bergbau Mitteldeutschlands.
Die Funde versprechen einen wesentlichen Erkenntnisschub für die archäologische Erforschung des hochmittelalterlichen Bergbaus in Sachsen, in Mitteldeutschland und in ganz Mitteleuropa.

Donnerstag, 6. Mai 2010, 19:30 Uhr

"300 Jahre Porzellanmanufaktur Meißen – Unter Einfluss der Freiberger Montanwissenschaften auf die Entwicklung und Vervollkommnung des ersten europäischen Hartporzellans"

Dr. Bernd Ullrich, TU Bergakademie Freiberg

89. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Einen Blick in die bis heute spannende Geschichte der Porzellanentwicklung unternimmt Dr. Bernd Ullrich vom Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik der TU Bergakademie mit dem Publikum. Der ausgewiesene Porzellan- Experte beschäftigt sich seit 1981 mit diesem Thema. Damals übernahm er den Auftrag der Porzellanmanufaktur Meißen, Fälschungen des wertvollen „Weißen Goldes“ aufzudecken. Seitdem lässt ihn das Porzellan nicht mehr los. Er beginnt seinen Exkurs im Jahr 1706 …

300 Jahre später versuchen die Briten dem Meißner Porzellan den Ruf als erstes europäisches Hartporzellan streitig zu machen. Um diese Behauptungen aus Großbritannien zu prüfen, zog die Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einige Experten heran. Zu ihnen Gehörte auch Dr. Bernd Ullrich. Am 26. Februar 2010 gab es im Residenzschloss dazu eine international beachtete Pressekonferenz. Über deren Ergebnisse und seine dort vorgestellten Erkenntnisse berichtet der Freiberger Geologe ebenfalls an diesem Abend.

Donnerstag, 29. April 2010, 18:00 Uhr

"Der härteste Stoff der Welt - Diamanten"

Friedel Hütz-Adams, Wissenschaftlicher Mitarbeiter SÜDWIND e.V. Wolfgang Malzahn, Gemmologisches Labor/Diamanten-handel, Moderation Dr. Jürgen Weyer, TU Bergakademie Freiberg.

Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Sie symbolisieren Liebe und Schönheit und versprechen enorme Profite. Für die einen bedeuten sie Glück, anderen bringen sie Leid. Denn an vielen Diamanten klebt Blut. Mit Gewinnen aus ihrem Handel finanzieren Staaten und Rebellen Krieg und Terror.

Die Schmuckhersteller haben größtenteils keinen Überblick, woher die von ihnen verarbeiteten Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen werden. Um wenigstens die Herkunft von Diamanten verfolgen zu können, wurde im Jahre 2003 der Kimberley-Prozess in Kraft gesetzt. Wie sicher dieses System ist und wo es noch Lücken gibt, das sind Fragen, die an diesem Abend beantwortet werden.

Eine Spurensuche zwischen Sierra Leone, Kongo, Indien und Deutschland.

Donnerstag, 15. April 2010, 19:30 Uhr

"Farberlebnis Turmalin"

Dr. Paul Rustemeyer, Gundelfingen

Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Einblicke in die farbigen Innenwelten der Turmaline gibt Dr. Paul Rustemeyer in seinem Vortrag "Farberlebnis Turmalin" am Donnerstag, dem 15. April, 19:30 Uhr, im Vortragssaal der terra mineralia in Schloss Freudenstein. Der Gastredner ist Kurator der Ausstellung „Kristallmagie - verborgener Zauber der dunklen Turmaline", die noch bis zum 18. April 2010 im Japanischen Palais Dresden durch die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen präsentiert wird.

Mit Hilfe der Mikrofotografie gelang es Paul Rustemeyer, die traumhaft schönen Innenwelten der Turmaline einzufangen und mineralogisch zu interpretieren. Viele der neu entdeckten Strukturen erlauben wie eine Röntgenaufnahme Einblicke in das Innere des Minerals und die zahlreichen, in ihnen gespeicherten kristallografischen Informationen.

Der Turmalin ist ein geschätztes Schmuck-, Sammel- und Studienobjekt. An kaum einer anderen Spezies hinterlassen die gestaltenden Kräfte des Mineralreichs einen so eindrucksvollen und vielfältigen Farb- und Formenreichtum. Bisher war das Interesse nahezu völlig auf die bunten Schmuckstein-Turmaline, wie Rubellit, Verdelith oder Indigolith, konzentriert. Erst vor wenigen Jahren entdeckte man, dass auch im äußerlich völlig schwarzen Turmalinmineral Schörl wundervolle Feinstrukturen von bestechender Präzision und überraschender Farbbrillanz finden kann, wenn man es nur dünn genug schleift.

Mittwoch, 14. April 2010, 19:30 Uhr

"Novalis-Abend in der Schatzkammer der terra mineralia"

Pirmin Meier

Schatzkammer terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Zu einem Abend mit Gedichten, Liedern und Erinnerungen rund um den Dichter Novalis (Georg Philipp Friedrich von Hardenberg) lud die TU Bergakademie gemeinsam mit dem Mittelsächsische Theater in die Schatzkammer der terra mineralia ein. Der Autor und Paracelsus-Forscher Pirmin Meier stellte in seinem Vortrag "Novalis, Paracelsus, Baader - Ein geistiges Bergwerk" eine gedankliche Beziehung zwischen diesen Personen her. Erinnerungen an das Novalisstück "Die blaue Blume", das im vergangenen Sommer auf dem Schlosshof aufgeführt wurde, wurden wach, als Christopher Jung und Jan Roelof Wolthius den philosophischen Gesprächsabend mit Schubert-Lieder umrahmten.

"Frage nur die Steine, du wirst erstaunen, wenn du sie reden hörst", heißt es in Ludwig Tiecks schaurig-schönem Märchen vom "Runenberg". Aphorismen wie diese hört man in Freibergs terra mineralia dieser Tage öfter; sind Theater und Universität doch gerade dabei, einen philosophischen Dialog in Gang zu bringen zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, zwischen Turmalin und Hölderlin. Schnittstelle und Anknüpfungspunkt ist dabei Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg (Novalis). Der Frühromantiker schrieb sich 1797 an der Bergakademie ein und ließ später seine Erfahrungen als Salinenassessor, seine Faszination von den Gesteinen in sein schriftstellerisches Werk einfließen.

Zu einem faszinierenden Einblick in die naturphilosophischen Vorstellungen der Frühromantiker lud zum Auftakt dieser Gesprächs- und Diskussionsreihe der Schweizer Autor Pirmin Meier. Der Paracelsusforscher und -publizist machte die geistigen Horizonte der Menschen an der Grenze von Alchimie und moderner Chemie greifbar, dozierte fasslich und farbreich über Themen, zu denen sich normalsterbliche Montanexperten selten Gedanken machen: die Schellingsche Identitätsphilosophie, Nekromantie und Wünschelrutengehen, unsichtbare Naturkräfte und das so genannte "Temperatum", also eine Art Ur-Temperatur, die angeblich konstant unter der Erde herrscht. Weitere Schlüsselfiguren zum Verständnis der romantischen Philosphie wurden lebendig: etwa der bayerische Philosoph und Bergbauingenieur Franz Xaver von Baader (1765-1841).

Nun gilt es, das neue "zarte Pflänzchen" (Universitätsrektor Prof. Bernd Meyer) solch interessanter philosophischer Gesprächsabende weiter zu gießen und zu düngen. Zwischen Gold und Goethit lauern auf jeden Fall noch zahlreiche spannende Themen - und lohnen vielleicht auch einmal die längere Anreise aus Leipzig oder Chemnitz. Aber auch aus Freiberg möchte die neue Gesprächsreihe demnächst noch mehr Besucher anlocken. Als leiser Wink an die hier ansässigen Akademiker zitierte Pirmin Meier abschließend noch einmal Novalis: "Wissenschaftliche Bücher veralten. Die Poesie dagegen dringt zu allen Zeiten in die Herzen der Menschen ein…"

Donnerstag, 8. April 2010, 19:30 Uhr

"Bergwerk mit Forschungstunnel - Fiktion oder Wirklichkeit?"

Dr. Klaus Grund, TU Bergakademie Freiberg

88. Freiberger Kolloquium, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Am Donnerstag, dem 8. April, startet der Markscheider Dr. Klaus Grund, TU Bergakademie Freiberg, die bewährte Reihe Freiberger Kolloquium in der terra mineralia im Schloss Freudenstein. Erstmals präsentieren die Veranstalter mit Bergarchiv und terra mineralia neue Partner in ihrem Verbund. Ihr gemeinsames Ziel ist es, das allseits geschätzte Vortragsangebot für die vor allem an bergbau- und geowissenschaftlichen Themen interessierte Öffentlichkeit in und um Freiberg noch vielfältiger und in neuer Qualität anzubieten.


Unter dem Titel „Das Tunnel- und Untertageprojekt Freiberg" analysiert Bergwerksdirektor Klaus Grund ab 19:30 Uhr im Vortragssaal bergbautechnologische und wirtschaftliche Aspekte sowie Entwicklungsmöglichkeiten des Freiberger Besucher-, Lehr- und Forschungsbergwerkes Reiche Zeche/Alte Elisabeth. Die Frage: Ist das Bergwerk 2000+ eine Fiktion oder bald Wirklichkeit? will er fachkundig beantworten. Dabei geht es vor allem auch um den geplanten Forschungstunnel, eine Erhöhung des Besucherverkehrs und die Integration dieses einzigartigen „Schatzes" in die infrastrukturelle Entwicklung unserer historisch geprägten Universitätsstadt Freiberg zwischen innerstädtischer Kulturlandschaft, terra mineralia und Universität. Das neue Bergwerk verlangt künftig höhere Anforderungen in Lehre und Forschung, eine neue Ausrichtung der Organisationsstruktur unter Beachtung sicherheitlicher Aspekte sowie einen strukturierten Informationsfluss und ein Qualitätsmanagement. Zu all dem stellt der Redner sein Konzept vor.

Donnerstag, 11. März 2010, 19:00 Uhr

"Leben auf dem Feuerring"

TU Bergakademie Freiberg hilft chilenischer Partneruni
Uni startet Spendenaktion und lädt zum Vortrag ein

Vortragssaal der terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

Die chilenische Partneruniversität der TU Bergakademie Freiberg, die Universidad de Concepción (UdeC), wurde Ende Februar durch ein Erdbeben schwer beschädigt. Die Freiberger Universitätsleitung will nun schnelle und unkomplizierte Hilfe beim Wiederaufbau der eingestürzten und abgebrannten Bildungseinrichtungen leisten. Sie ruft dazu eine Spendenaktion ins Leben.

Sonntag, 7. März 2010, 11:00 Uhr und 14:00 Uhr

„Frauen im Bergbau und in der Wissenschaft“

Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt frei.

8. März ist Weltfrauentag! Dies nimmt die terra mineralia zum Anlass, die Rolle der Frauen im Bergbau und in der Wissenschaft näher zu beleuchten. Bereits am Sonntag, den 7. März, finden zwei Vorträge statt, die sich speziell den Frauen in der Geschichte in und um Freiberg widmen. Welche Rolle spielten sie im Bergbau? Welche in der Wissenschaft? Welchen Herausforderungen mussten sich die Frauen stellen?
Die beiden Vorträge widmen sich zum einen ganz allgemein den Frauen im Bergbau. Jedoch soll nicht die Besonderheit der „Bergfrauen“ im Fokus stehen; vielmehr wird gezeigt, dass seit Beginn des Freiberger Bergbaus die Frauen einen festen Platz darin einnahmen. Der zweite Vortrag entwirft ein Bild der Siebenlehnerin Amalie Dietrich, die sich durch ihren Ehrgeiz, Fleiß und Beharrlichkeit die Anerkennung vieler studierter Botaniker erarbeitete. Ihre Herbarien und ihre Sammeltätigkeit in Australien bildeten die Grundlage für viele botanische Sammlungen.
Neben den Vorträgen können die Besucher fachlicher Anleitung selbst Schmuck aus Mineralen herstellen.

11 Uhr „Zwischen Herd und Haspel – Frauen im Bergbau“ Angela Kießling, Universitätsbibliothek Freiberg, und Gabriele Meißner, Höckendorf
14 Uhr „Amalie Dietrich – Eine sächsische Forscherin in Australien“ Dr. Birgit Scheps-Bretschneider, Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen, Leipzig

Montag, 25. Januar 2010, 18:00 Uhr.

„Erdbeben: Ursachen und Folgen“

Herr Prof. Bernhard Forkmann, TU Bergakademie Freiberg

Aus der Vortragsreihe „forschung live“, Vortragssaal terra mineralia, Schloss Freudenstein, Eintritt 5 Euro.

Anlässlich des verheerenden Erdbebens in Haiti wird Herr Prof. Forkmann, Geophysiker der TU Bergakademie Freiberg, in einem Vortrag das Zustandekommen dieser großen Beben erläutern. Anhand des Tsunami-Bebens von 2004 in Südostasien wird er auch die Folgen dieser Katastrophen beleuchten. Welche Frühwarnsysteme wurden entwickelt und wie funktionieren sie? Können sie helfen, die Vorboten der Natur frühzeitig zu erkennen?